Cyberangriffe, neue Risiken und Justiz im digitalen Wandel: 25. EDV-Gerichtstag in Saarbrücken

Wo lauern neue Gefahren aus dem Inter­net und welche neuen Ermit­tlungsmeth­o­d­en erfordert der Kampf gegen Com­put­erkrim­i­nal­ität? Was bringt die europaweit ein­heitliche Daten­schutz-Regelung? Wie stellt sich die Jus­tiz im dig­i­tal­en Wan­del zukun­fts­fähig auf? Mehr als 600 Juris­ten und IT-Experten tre­f­fen sich vom 21. bis 23. Sep­tem­ber beim EDV-Gericht­stag an der Uni­ver­sität des Saar­lan­des, um über aktuelle Entwick­lun­gen zu disku­tieren und sich auszu­tauschen. Der bun­desweit größte Kongress im IT-Recht find­et in diesem Jahr zum 25. Mal auf dem Saar­brück­er Cam­pus statt. Die offizielle Eröff­nung find­et am 22. Sep­tem­ber um 9 Uhr im Audi­max (B4 1) statt. Es spricht unter anderem Bun­desjus­tizmin­is­ter Heiko Maas. Im Mit­telpunkt des Kon­gress­es ste­hen auch IT-Unter­stützung in Jus­tiz, Kan­zlei und Ver­wal­tung sowie Poten­ziale und Risiken der Blockchain-Tech­nolo­gie, die sog­ar virtuelle Staat­en möglich machen kön­nte.

 21. bis 23. Sep­tem­ber, in der Rechts- und Wirtschaftswis­senschaftlichen Fakultät der Uni­ver­sität des Saar­lan­des, Gebäude B4 1, Cam­pus Saar­brück­en
Ver­anstal­ter des Kon­gress­es ist der Deutsche EDV-Gericht­stages e.V., Vor­sitzen­der ist Pro­fes­sor Stephan Ory.
Pro­gramm und Infor­ma­tion: http://www.edvgt.de

 

Beein­trächtigt die Dig­i­tal­isierung des Strom­net­zes die Ver­sorgungssicher­heit? Wie schützen sich Unternehmen vor Erpressern, die Dat­en ver­schlüs­seln und Lösegeld ver­lan­gen und was kön­nen sie tun, wenn sie Opfer solch­er Machen­schaften wer­den? Wie kann ver­hin­dert wer­den, dass Smart­phones sen­si­ble Dat­en preis­geben und welche neuen Spi­onagean­griffe gibt es? Die neuen Bedro­hun­gen aus dem Inter­net sind ein Schw­er­punk­t­the­ma der Juris­ten und IT-Experten aus Prax­is und Wis­senschaft beim diesjähri­gen EDV-Gericht­stag. Welche Sicher­heit­slück­en Hack­er hier neuerd­ings aus­nutzen, darüber informieren Spezial­is­ten zum Auf­takt des Kon­gress­es am 21. Sep­tem­ber von 14 bis 17.15 Uhr.

Die Ermit­tlungsin­stru­mente zur Bekämp­fung von Cyberkrim­i­nal­ität ste­hen am 22. Sep­tem­ber ab 15 Uhr im Mit­telpunkt: Mit zunehmender Dig­i­tal­isierung aller Bere­iche steigen auch das Gefährdungspoten­zial und der Erfind­ungsre­ich­tum an neuen Angriff­stech­niken. Müssen die geset­zlichen Instru­mente der Strafver­fol­gung erweit­ert wer­den? Ref­er­enten aus Rechtswis­senschaft und Strafver­fol­gung­sprax­is beleucht­en hier das Span­nungsver­hält­nis zwis­chen Grun­drecht­en, Ein­griff­s­nor­men und tech­nis­ch­er Inno­va­tion.

Auch die Poten­ziale und Risiken der Blockchain-Tech­nolo­gie wer­den The­ma sein: Die „Blockchain“, eine Liste von Daten­sätzen, die mit kryp­tographis­chen Ver­fahren gesichert ist und auf vie­len Com­put­ern weltweit par­al­lel läuft, macht inter­na­tionale Zahlungssys­teme wie die elek­tro­n­is­che Währung Bit­coin möglich. Die Blockchain schützt vor Manip­u­la­tio­nen und garantiert in gewiss­er Weise den Wert der Zahlun­gen, weil sie nicht gestoppt wer­den kann, indem einzelne Serv­er ange­grif­f­en wer­den. Diese autonome Tech­nolo­gie der Blockchain ermöglicht aber weit mehr: Das Spek­trum reicht von dezen­tralen Organ­i­sa­tio­nen bis zu virtuellen Staat­en. Staatliche oder insti­tu­tionelle Auf­sicht wird durch Kon­trolle durch Algo­rith­men erset­zt. Was hier Stand der Dinge ist, welche Auswirkun­gen auf Gesellschaft, Staat und Rechtswe­sen zu erwarten sind, disku­tieren Experten am Fre­itag, dem 23.September, ab 9 Uhr.

Auf dem Pro­gramm ste­hen auch die Entwick­lun­gen beim europäis­chen Daten­schutz: Die neue EU-weit gel­tende Daten­schutz-Grund­verord­nung soll zugle­ich die Anforderun­gen an einen dig­i­tal­en Bin­nen­markt und einen effek­tiv­en Schutz der Per­sön­lichkeit­srechte im Zeital­ter von „Big Data“ europaweit ein­heitlich bewälti­gen. Die Verord­nung und die eben­falls im April beschlossene europäis­che Richtlin­ie 2016/680 zum Daten­schutz in Strafver­fahren brin­gen für den Daten­schutz im Bere­ich der Jus­tiz zahlre­iche neue Regeln. Experten der Kom­mis­sion, des deutschen Innen­min­is­teri­ums und des deutschen Jus­tizmin­is­teri­ums stellen die europäis­chen Recht­sak­te und die derzeit in Vor­bere­itung befind­lichen deutschen Umset­zun­gen vor.

Weit­eres großes The­ma des Kon­gress­es ist der dig­i­tale Wan­del in der Jus­tiz: Bis 2022 müssen Gerichte, Anwälte und Staat­san­waltschaft die elek­tro­n­is­che Recht­sak­te ein­führen. Die kom­plette Kom­mu­nika­tion mit den deutschen Gericht­en soll elek­tro­n­isch ablaufen. Die Arbeit der Jus­tiz soll auf diese Weise vere­in­facht und beschle­u­nigt sowie bürg­er­fre­undlich gestal­tet wer­den. Seit vie­len Jahren wird diese Entwick­lung vom Saar­brück­er EDV-Gericht­stag begleit­et. Mit als Erste in ihrem Arbeit­sall­t­ag betrof­fen sind die Recht­san­wälte. Entsprechend set­zt der EDV-Gericht­stag hier einen Schw­er­punkt und macht etwa das elek­tro­n­is­che Anwalt­spost­fach und Stan­dar­d­isierung­sprozesse zum The­ma, die für den Aus­tausch von Dat­en, Nachricht­en, Doku­menten oder Akten uner­lässlich sind.

Auch beim diesjähri­gen EDV-Gericht­stag find­et eine Unternehmens-Ausstel­lung statt, die einen Überblick über IT-Lösun­gen, juris­tis­che Pro­gramme, elek­tro­n­is­che Daten­banken, Sicher­heitssoft­ware und Lit­er­atur gibt.

Außer­dem ver­lei­hen der Deutsche EDV-Gericht­stag e.V. und die juris GmbH wieder den mit 5000 Euro dotierten „Dieter-Meur­er-Förder­preis Rechtsin­for­matik“, der Leis­tun­gen prämiert, die rechtliche Auf­gaben und das Meth­o­d­en­poten­zial der Infor­matik zusam­men­führen.

Gast­land ist in diesem Jahr Ital­ien: In einem eige­nen Arbeit­skreis wer­den die dor­ti­gen aktuellen Entwick­lun­gen im elek­tro­n­is­chen Rechtsverkehr präsen­tiert.

Kon­takt: Prof. Dr. Stephan Ory, Vor­standsvor­sitzen­der des Deutschen EDV-Gericht­stages e.V.
Tele­fon: +49 (0)681 302‑5511
E‑Mail: edvgt@jura.uni-sb.de