EDV-Gerichts­tag: Bund-Län­der-Kom­mis­si­on tagt zu elek­tro­ni­schem Rechts­ver­kehr

EDV-Gerichts­tag: Bund-Län­der-Kom­mis­si­on tagt zu elek­tro­ni­schem Rechts­ver­kehr

Saar­brü­cken, den 23.09.2016 – Tra­di­tio­nell fand im Rah­men des EDV-Gerichts­ta­ges in Saar­brü­cken auch in die­sem Jahr eine Vor­trags­rei­he der Bund-Län­der-Kom­mis­si­on für Infor­ma­ti­ons­tech­nik in der Jus­tiz statt, deren Schwer­punkt auf dem elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr lag. Berich­tet wur­de über den Stand und die Umset­zung in Nie­der­sach­sen, was zugleich einen Ein­blick in die Arbeit des e²-Län­der­ver­bun­des eröff­ne­te. Die­ser Ver­bund besteht aus den Län­dern Nie­der­sach­sen, Hes­sen, Nord­rhein-West­fa­len, Sach­sen-Anhalt, Saar­land und Bre­men und ent­wi­ckelt arbeits­tei­lig eine gemein­sa­me Soft­ware für den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr und die elek­tro­ni­sche Akte.

Im elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr ver­spre­chen struk­tu­rier­te Daten­sät­ze ein gro­ßes Poten­zi­al zur Ver­bes­se­rung der Geschäfts­pro­zes­se. Wie man die Effi­zi­enz ver­bes­sern kann, wur­de in einem eige­nen Vor­trag erläu­tert. Berich­tet wur­de auch über die Erfah­run­gen aus der Pilo­tie­rung der ver­bind­li­chen elek­tro­ni­schen Akte beim Arbeits­ge­richt Stutt­gart und beim Land­ge­richt Mann­heim. Öster­reich stell­te sei­ne Erfah­run­gen mit dem Pilo­ten zum „elek­tro­ni­schen Akt“ vor. Brei­te­ren Raum nahm das The­ma „IT-Sicher­heit“ ein, die auch und gera­de durch geziel­te Angrif­fe von Kri­mi­nel­len bedroht wird. Beleuch­tet wur­den die Struk­tu­ren und Erschei­nungs­for­men orga­ni­sier­ter Cyber­kri­mi­na­li­tät und deren Aus­wir­kun­gen auf Maß­nah­men der IT-Sicher­heit. Außer­dem wur­de die hes­si­sche Anti-Bot­netz-Initia­ti­ve vor­ge­stellt. Wel­che Gefah­ren von Pass-the-Hash-Atta­cken aus­ge­hen, bei denen sich Angrei­fer über infi­zier­te Rech­ner Zugriff auf pri­vi­le­gier­te Accounts ver­schaf­fen kön­nen, war eben­so Gegen­stand der Vor­trags­rei­he. Hier wur­den Lösun­gen im Rah­men eines lau­fen­den Pro­jekts der nie­der­säch­si­schen Jus­tiz vor­ge­stellt.

Prä­sen­tiert wur­den fer­ner mög­li­che zukünf­ti­ge Ent­wick­lun­gen im elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr, mit denen sich eine Län­der­ar­beits­grup­pe unter dem Begriff „e‑Justice II“ beschäf­tigt. Es han­delt sich dabei um meh­re­re Vor­ha­ben, die getrennt ent­wi­ckelt und mit unter­schied­li­chem zeit­li­chem Hori­zont umge­setzt wer­den sol­len. Die The­men­be­rei­che rei­chen vom Auto­ma­ti­sier­ten Mahn­ver­fah­ren über die Akten­ein­sicht und das elek­tro­ni­sche Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren bis zur Zwangs­voll­stre­ckung. Der siche­re Daten­aus­tausch über Län­der­gren­zen hin­weg wur­de an Hand der Ergeb­nis­se des e‑CO­DEX-Pro­jekts the­ma­ti­siert. Auf e‑CO­DEX-Tech­ni­ken beru­hen die Pilot­ver­fah­ren „Euro­päi­sches Mahn­ver­fah­ren“, „Euro­päi­sches Ver­fah­ren für gering­fü­gi­ge For­de­run­gen“, die Ver­net­zung der Han­dels- und Unter­neh­mens­re­gis­ter, grenz­über­schrei­ten­de straf­recht­li­che Ermitt­lungs­ver­fah­ren und der siche­re Daten­aus­tausch im Bereich der Voll­stre­ckung von Geld­stra­fen.

Die elek­tro­ni­sche Akten­ein­sicht wol­len Bund und Län­der künf­tig über ein gemein­sa­mes Akten­ein­sicht­s­por­tal ermög­li­chen, des­sen Pro­to­typ schon ein­mal „live“ in Augen­schein genom­men wer­den konn­te. Abge­run­det wur­de die Vor­trags­rei­he durch die Vor­stel­lung der Fach­ver­fah­ren DEPOS und comKOS‑J. DEPOS dient der Unter­stüt­zung der Bear­bei­tung der gericht­li­chen Geld- und Wert­hin­ter­le­gun­gen und wird vom Land Ber­lin gemein­sam mit dem IT-Lan­des­dienst­leis­ter des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern ent­wi­ckelt. Eben­falls mit die­sem Lan­des­dienst­leis­ter führt das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um Meck­len­burg-Vor­pom­mern das Pro­jekt comKOS‑J durch, das die Auto­ma­ti­on des Gerichts­kos­ten­we­sens zum Ziel hat.

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