Anwen­der und Exper­ten bera­ten der­zei­ti­gen Stand und künf­ti­ge Ent­wick­lung elek­tro­ni­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on auf dem EDV-Gerichts­tag

Saar­brü­cken, 20.09.2018 – Kurz nach dem Neu­start des beson­de­ren elek­tro­ni­schen Anwalts­post­fachs (beA) am 3. Sep­tem­ber befasst sich der 27. EDV-Gerichts­tag in Saar­brü­cken in die­sem Jahr im Rah­men eines spe­zi­el­len Arbeits­krei­ses mit der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Anwäl­ten und Gerich­ten und Staats­an­walt­schaf­ten. „Der elek­tro­ni­sche Rechts­ver­kehr erleich­tert Anwäl­ten und Gerich­ten die Arbeit, sie kön­nen sich auf ihre juris­ti­schen Auf­ga­ben kon­zen­trie­ren.“, so der Vor­sit­zen­den des EDV-Gerichts­ta­ges, Pro­fes­sor Ste­phan Ory, der den betref­fen­den Work­shop lei­tet. „Die Bür­ger und die Unter­neh­men erwar­ten zu Recht rasche und gründ­li­che Gerichts­ver­fah­ren, die Kon­flik­te lösen.“, so Ory.

Die Sicher­heit muss auf dem jewei­li­gen Stand der Tech­nik gewahrt blei­ben und zugleich der Staat die Jus­tiz mit Mit­teln aus­stat­ten, damit in den Gerich­ten die elek­tro­nisch ein­ge­reich­ten Unter­la­gen nicht eini­ge Jah­re lang noch aus­ge­druckt zur Papier­ak­te gehef­tet wer­den. „Mit der Ein­füh­rung des beA wird die Digi­ta­li­sie­rung der Jus­tiz nicht abge­schlos­sen sein – wir brau­chen Ver­bes­se­run­gen zu einem „beA+“. Und wir müs­sen schon heu­te an Kon­zep­ten schrei­ben, was danach kommt, etwa eine Jus­tiz-Cloud, die intel­li­gent geschrie­be­ne Algo­rith­men nutzt, um kom­ple­xe Auf­ga­ben vor­zu­struk­tu­rie­ren. Den Rich­ter mit Rechts­kennt­nis und Augen­maß für das Anlie­gen der Par­tei­en wird aber auch in der Zukunft kein Jus­tiz-Robo­ter erset­zen.“, so Ory, der fer­ner ankün­dig­te, dass sich der EDV-Gerichts­tag künf­tig auch der erfor­der­li­chen Anpas­sung gesetz­li­cher Grund­la­gen wie etwa der Pro­zess­ord­nun­gen wid­men wird. Hier­zu wird auch die Teil­nah­me an einer Arbeits­grup­pe zur elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on im Rechts­we­sen unter der Lei­tung von Dr. Erik Kieß­ling, Rich­ter am Pfäl­zi­schen OLG Zwei­brü­cken, gehö­ren.

Zur Sicher­heit der elek­tro­ni­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on erklär­te Prof. Dr. Chris­toph Sor­ge, Inha­ber der juris-Stif­tungs­pro­fes­sur, dass die Bun­des­rechts­an­walts­kam­mer (BRAK) mit der Beauf­tra­gung eines Sicher­heits­gut­ach­tens auf einem guten Weg da, da so zahl­rei­che – zum Teil schwer­wie­gen­de – Sicher­heits­lü­cken auf­ge­deckt und beho­ben wer­den konn­ten. „Das kann aller­dings nur der Anfang des Weges sein, denn die Sicher­heits­ana­ly­se muss­te in einem begrenz­ten Zeit­rah­men statt­fin­den und konn­te daher nicht alle mög­li­chen Pro­blem­fel­der unter­su­chen.“, so Sor­ge. Nicht nur beim beA, son­dern bei prak­tisch allen IT-Sys­te­men sei IT-Sicher­heit ohne­hin als kon­ti­nu­ier­li­cher Pro­zess zu ver­ste­hen, denn völ­li­ge Frei­heit von Sicher­heits­lü­cken kön­ne nach aktu­el­lem Stand nie garan­tiert wer­den. „Gro­ßer Streit­punkt beim beA ist der Ein­satz von Hard­ware-Sicher­heits­mo­du­len (HSM). Unter den Annah­men, die der Ent­wick­lung des beA zugrun­de lagen, ist deren Ein­satz nach dem Stand der Tech­nik tat­säch­lich not­wen­dig. Eine ech­te Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung liegt somit aber nicht vor, und für die Zukunft wün­sche ich mir eine Dis­kus­si­on, auch mit der Wis­sen­schaft, ob der HSM-Ein­satz tat­säch­lich not­wen­dig ist.“, erklär­te Sor­ge.

Sei­nen Appell nahm der 1. Vize­prä­si­dent der BRAK, Dr. Mar­tin Abend, LL.M., ger­ne auf. „Für die BRAK stand und steht die Sicher­heit des beA-Sys­tems im Vor­der­grund. Wir haben mit unse­rem Dienst­leis­ter und der Sicher­heits­gut­ach­te­rin inten­siv dar­an gear­bei­tet, die Schwach­stel­len zu besei­ti­gen.“, so Abend. Auf die­sem Stand des Erreich­ten wer­de die BRAK nicht ver­har­ren. Viel­mehr befin­de sie sich in einem fort­wäh­ren­den Pro­zess der Ver­bes­se­rung, Wei­ter­ent­wick­lung und Här­tung des beA-Sys­tems. „Nach­dem die Schwach­stel­len gemäß Emp­feh­lung der Gut­ach­te­rin besei­tigt sind und immer mehr Rechts­an­wäl­tin­nen und Rechts­an­wäl­te das beA nut­zen, wen­den wir uns jetzt ins­be­son­de­re dem Aspekt der Nut­zer­freund­lich­keit zu. Wir haben hier vor allem die an die BRAK her­an­ge­tra­ge­nen Wün­sche der Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zum Bedien­kom­fort im Blick.“, so Abend.