Ausschreibung Dieter Meurer Preis

Prof. Dr. Dieter Meur­er war von 1979 bis zu seinem Tode im Jahr 2000 Ordi­nar­ius für Strafrecht, Straf­prozess­recht und Recht­sphiloso­phie am Fach­bere­ich Rechtswis­senschaften der Philipps-Uni­ver­sität Mar­burg. Seine juris­tis­che Aus­bil­dung genoss Meur­er in Köln, wo er 1971 seinen Dok­tor­ti­tel für die Dis­ser­ta­tion über das selb­st gewählte The­ma „Fik­tion und Stra­furteil“ erlangte. Die Habil­i­ta­tion erfol­gte 1978 mit dem The­ma „Sys­tem­a­tis­che Stu­di­en zum Prinzip der freien Beweiswürdi­gung im Straf­prozess“. Dieter Meur­er erhielt im Feb­ru­ar 1979 den Ruf nach Mar­burg. 1985 lehnte er einen Ruf an den Lehrstuhl für Strafrecht, Straf­prozess­recht und inter­na­tionales Strafrecht der Freien Uni­ver­sität Berlin ab.

Für Dieter Meur­er war die Verbindung zur Prax­is wichtig. Ab 1982 war er im zweit­en Haup­tamt Richter am OLG Frank­furt am Main, später Vor­sitzen­der Richter der großen Strafkam­mer am Landgericht Mar­burg.

Das Inter­esse Dieter Meur­ers war nicht auf das Strafrecht beschränkt. Er ini­ti­ierte eine ganze Rei­he von Pro­jek­ten und The­men, so befasste er sich unter anderem inten­siv mit der Rechtsin­for­matik. Der Arbeit des EDV-Gericht­stages war er von Anfang an als Begleit­er, Ideenge­ber und Unter­stützer ver­bun­den. Dieter Meur­er war Mit­glied des Sachver­ständi­gen­rates bei juris.

„Der Jurist im elek­tro­n­is­chen Netz“ war der Eröff­nungsvor­trag von Dieter Meur­er zum ersten EDV-Gericht­stag 1992 in Saar­brück­en. „BTX macht’s möglich“, näm­lich Teleshop­ping, Tele­bank­ing und Tele-Enter­tain­ment sagte er. Zivil­rechtliche Fra­gen zur elek­tro­n­is­chen Wil­lenserk­lärung, Daten­sicher­heits-Vor­sorge als Fortschrei­bung des klas­sis­chen Daten­schutzrechts sowie strafrechtliche Über­legun­gen zu „Viren, Würmer und son­stigem elek­tro­n­is­chem Geti­er“ for­mulierte Meur­er. Nicht nur, aber auch für Juris­ten habe die rhetorische Frage Bedeu­tung: „Wer hat noch nicht die ganze Nacht vor seinem Mon­i­tor ver­bracht?“ Dieter Meur­er hat­te für sich in seinem juris­tis­chen Arbeits­ge­bi­et die Rolle der EDV lange vor anderen sein­er Gen­er­a­tion ent­deckt.

Rechtsin­for­matik war für Dieter Meur­er wed­er Infor­ma­tion­srecht noch TK- oder Medi­en­recht. Es geht um das Zusam­men­tr­e­f­fen von IT-Tech­nolo­gie und juris­tis­ch­er Arbeit. So kann der Jurist zum Beispiel in AGB ganze Kaskaden von Regeln und Aus­nah­men erfind­en, was den Daten­bankpro­gram­mier­er mit Blick auf die prax­is­gerechte Abwick­lung schaud­ern lässt. Umgekehrt freut sich der Infor­matik­er über schlanken Code, der aus Sicht des Juris­ten für die Sicherung von teils gar grun­drechtlich vorgegebe­nen Recht­en der Betrof­fe­nen deut­lich zu unterkom­plex ist.

Zu seinen Ehren haben der Deutsche EDV-Gericht­stag e.V. und die juris GmbH den „Dieter Meur­er Preis Rechtsin­for­matik“ ins Leben gerufen. Seit 2003 wird der Preis jew­eils im Rah­men der jährlichen Ver­anstal­tung des EDV-Gericht­stages in Saar­brück­en ver­liehen. Er ist mit 5.000 € dotiert und soll im Sinn des Ver­ständ­niss­es von Dieter Meur­er den Nach­wuchs im Bere­ich der Rechtsin­for­matik fördern. Preiswürdig sind Leis­tun­gen, die rechtliche Auf­gaben und das Meth­o­d­en­po­ten­tial der Infor­matik zusam­men­führen, und zwar im juris­tis­chen Bere­ich, auf dem Feld der Infor­ma­tion­stech­nolo­gie oder bei organ­isatorischen Leis­tun­gen in der Prax­is.

Gerichte, Anwälte, Notare, Ver­wal­tun­gen oder uni­ver­sitäre Ein­rich­tun­gen, kurzum alle, die sich der Rechtsin­for­matik ver­bun­den fühlen, sind aufgerufen, Per­so­n­en zu nominieren, die mit dem Dieter Meur­er Preis Rechtsin­for­matik aus­geze­ich­net wer­den kön­nen. Die Nominierung soll eine durch Präg­nanz überzeu­gende Begrün­dung erhal­ten und ist an den Vor­stand des Deutschen EDV-Gericht­stages e.V. in der Regel bis zum 15. Mai eines Jahres zu richt­en.

Der Vor­stand wird, gegebe­nen­falls unter­stützt durch eine von ihm einge­set­zte Arbeits­gruppe den Vorschlag für eine zu prämierende Leis­tung gegenüber der Geschäfts­führung der juris GmbH auswählen. Die endgültige Entschei­dung über den Preisträger erfol­gt im Ein­vernehmen zwis­chen dem Vor­stand des Deutschen EDV-Gericht­stages e.V. und der juris GmbH. Der Rechtsweg ist aus­geschlossen.

Die Preisver­lei­hung find­et im Herb­st eines Jahres im Rah­men des jährlichen Kon­gress­es „EDV-Gericht­stag“ in Saar­brück­en statt.
Eine Liste der Preisträger der ver­gan­genen Jahre find­en Sie hier.