Digitalisierung erfolgreich umsetzen

Recht­san­wältin Ilona Cosack, Dig­i­tal­isierung erfol­gre­ich umset­zen — Ein Leit­faden für jede Anwalt­skan­zlei, 1. Auflage 2019, Deutsch­er Anwaltver­lag, Bonn, Preis: 39,-€

Der Begriff „Dig­i­tal­isierung“ ist in aller Munde. Aber was genau meint Dig­i­tal­isierung über­haupt und wieso sollte man sich als Anwalt­skan­zlei der­sel­ben stellen? Diese Fra­gen beant­wortet die Ver­fasserin des Leit­fadens, die als Inhab­erin ein­er Anwalts­ber­atung große Praxis­er­fahrung auf dem Gebi­et sam­meln kon­nte.

Die Anwaltschaft wird in der Ein­leitung des Werks als wenig inno­va­tions­freudig beschrieben, was den Schritt in die dig­i­tale Anwalt­skan­zlei ange­ht. Zu groß sei die Angst vor ein­er ver­sagen­den Tech­nik und damit möglicher­weise ein­herge­hen­den Haf­tungs­fällen. Dass es auch anders geht, zeigen die in dem Leit­faden abge­druck­ten Inter­views mit Recht­san­wäl­ten aus kleinen, mit­tleren und großen Kan­zleien, die den Wan­del ins dig­i­tale Zeital­ter bere­its gemeis­tert haben und der Ver­fasserin des Werks von ihren Erfahrun­gen berichteten. Wer diesen Schritt erst noch zu gehen hat, find­et in diesem Teil nüt­zliche Tipps von Kol­le­gen, auch darüber, was sie möglicher­weise heute anders machen wür­den. Einigkeit beste­ht darin, dass die Dig­i­tal­isierung zahlre­iche Vorteile mit sich bringt und die Arbeit in der Kan­zlei effizien­ter, schneller und erfol­gre­ich­er machen kann.

Ein weit­er­er Grund, weshalb es sin­nvoll erscheint, die Anwalt­skan­zlei zu dig­i­tal­isieren, sieht der Leit­faden in der geän­derten beziehungsweise gesteigerten Erwartung­shal­tung von Man­dan­ten. Diese wollen am lieb­sten immer mehr Leis­tung für immer weniger Geld. Das macht deut­lich, dass dig­i­tal­isierte Kan­zleiabläufe mit erforder­lich sind, wenn der Anwalt seine Man­dantschaft auch kün­ftig zufrieden­stellen und dabei unternehmerischen Erfolg haben will. Die Gen­er­a­tio­nen der Jahrgänge ab 1980 wer­den als soge­nan­nte „Dig­i­tal Natives“ beze­ich­net, sie sind in allen Lebensla­gen an dig­i­tale Hand­lungsabläufe gewöh­nt. Die Erwartung­shal­tung, dass Infor­ma­tio­nen immer und von über­all aus zugänglich sind, über­tra­gen diese Gen­er­a­tio­nen auch auf die Kom­mu­nika­tion mit ihrem Anwalt. Und noch schlim­mer: Im dig­i­tal­en Zeital­ter ist es Brauch gewor­den, dass die Dig­i­tal Natives ihre Erfahrun­gen im Inter­net kund­tun. Bew­ertet wer­den lange nicht mehr nur Hotels oder Restau­rants, auch Dien­stleis­ter wie Anwälte wer­den dort teil­weise ganz genau beschrieben. Im Werk sind ver­schiedene Man­dan­ten­be­w­er­tun­gen beispiel­haft abge­druckt, pos­i­tive wie neg­a­tive. Man sollte als Anwalt die sich betr­e­f­fend­en Bew­er­tun­gen im Blick haben, denn diese kön­nen einen großen Ein­fluss auf die Neu­man­datierung haben. Da Man­dan­ten in der Regel juris­tis­che Laien sind, wird in solchen Bew­er­tun­gen oft nicht die Qual­ität der juris­tis­chen Beratung, son­dern vielmehr die indi­vidu­ellen Erfahrun­gen mit der Ser­vice­qual­ität und der Beratungsleis­tung geschildert. Und hier kom­men diejeni­gen Anwälte, die die Vorteile der Dig­i­tal­isierung für ihre Kom­mu­nika­tion nutzen, wesentlich bess­er weg als diejeni­gen, die das nicht tun. Eine gut gestal­tete Web­site und mod­erne Kon­tak­t­möglichkeit­en wer­den von den meis­ten Man­dan­ten wert­geschätzt.

Diejeni­gen Anwälte, die damit noch nicht überzeugt wer­den kön­nen und mit den Worten „Das haben wir aber schon immer so gemacht“ weit­er ihre analo­gen Arbeitsabläufe an den Tag leg­en wollen, kann davon nur abger­at­en wer­den. Denn egal, was man vom dig­i­tal­isierten Arbeit­en hält, der elek­tro­n­is­che Rechtsverkehr kommt. In eini­gen Bun­deslän­dern sind bere­its seit dem 1. Jan­u­ar 2020 Schrift­sätze bei Gericht verpflich­t­end per beA einzure­ichen, in anderen wird das spätestens mit Beginn des Jahres 2022 verpflich­t­end. Um so erschreck­ender ist es, wie viele Recht­san­wälte noch über­haupt nicht wis­sen, wie die Nutzung des beA funk­tion­iert und es aus diesem Grund schlichtweg ein­fach nicht nutzen. Auch dem will der Leit­faden Abhil­fe schaf­fen und erläutert in einem Kapi­tel umfassend das elek­tro­n­is­che Anwalt­spost­fach, von der richti­gen Ein­rich­tung bis hin zum kor­rek­ten Sig­nieren von Schrift­sätzen.

Vor diesem Hin­ter­grund lautet die ganz klare Hand­lungsempfehlung der Ver­fasserin: „Dig­i­tal­isieren Sie jet­zt, es gibt keinen besseren Zeit­punkt“.