Infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung und effek­ti­ver Rechts­schutz im Straf­voll­zug

RiLG Dr. Ulf Buer­mey­er LL.M (Colum­bia), Ver­wirk­li­chungs­be­din­gun­gen von Daten­schutz und Infor­ma­ti­ons­rech­ten im Voll­zug von Frei­heits­ent­zie­hun­gen, 1. Auf­la­ge 2019, Rei­he Frank­fur­ter Stu­di­en zum Daten­schutz, Bd 51, Nomos Ver­lags­ge­sell­schaft, Preis: 88,-€

In sei­ner im Herbst 2014 vor­ge­leg­ten, rund 300 Sei­ten star­ken Dis­ser­ta­ti­on befasst sich der Autor aus­führ­lich mit allen Fra­gen des Schut­zes per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und dem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung im Straf­voll­zug. Lite­ra­tur und Recht­spre­chung wur­den dabei bis Som­mer 2013 berück­sich­tigt.

Als impuls­ge­bend hier­für nennt er sei­ne Mit­ar­beit an der Kon­zep­ti­on des im Juli 2011 in Kraft getre­te­nen Jus­tiz­voll­zugs­da­ten­schutz­ge­set­zes der Senats­ver­wal­tung für Jus­tiz in Ber­lin.

Die aus­führ­li­che Befas­sung mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Hin­ter­grün­den und Zie­len staat­li­chen Stra­fens, den Zie­len des Straf­voll­zugs und der damit ver­bun­de­nen Ein­schrän­kung von Grund­rech­ten macht das Werk nicht nur auf­schluss­reich für den am Daten­schutz inter­es­sier­ten Leser, son­dern arbei­tet aus­führ­lich die grund­sätz­li­chen his­to­ri­schen und recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen des Straf­voll­zug her­aus.

Eine His­to­rie des ers­ten Sam­melns von Daten in der Steu­er­ver­wal­tung des alten Ägyp­tens und des Daten­schut­zes vom Eid des Hip­po­kra­tes (ca. 400 vor Chris­tus) über den Schutz des Post­ge­heim­nis­ses durch die Preu­ßi­schen Post­ord­nung von 1712 bis hin zu den Fra­gen um ver­schie­de­ne Daten­samm­lun­gen in den 1960er und 1970er Jah­ren lei­tet über zu einer aus­führ­li­chen Befas­sung mit den ent­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum Daten­schutz und Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung.

Hier­durch schafft der Autor den Rah­men für die sich anschlie­ßen­den Erör­te­rung der Aus­ge­stal­tung des infor­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mungs­rechts des Gefan­ge­nen als Abwehr­grund­recht gegen die hoheit­li­che Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten durch die Voll­zugs­ver­wal­tung, und wie dies im Lich­te von Art. 19 Abs. 4 GG in den ein­zel­nen Vor­schrif­ten zum Straf­voll­zug, nament­lich den §§ 180 ff StVoll­zG aus­ge­stal­tet ist bzw. wie die­se Vor­schrif­ten ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen sind.

Zu Recht weist er dabei dar­auf hin, dass das eigent­li­che Pro­blem weni­ger in der gesetz­lich nor­mier­ten Mög­lich­keit liegt, die Rech­te der Gefan­ge­nen gericht­lich gel­tend zu machen, son­dern ange­sichts des wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums, der dem Jus­tiz­voll­zug ein­ge­räumt wird, eher in deren Erfolgs­aus­sich­ten.

Abschlie­ßend schlägt der Ver­fas­ser auf­grund sei­ner Mit­ar­beit an dem ein­gangs erwähn­ten Gesetz noch Rege­lun­gen u.a. zum Infor­ma­ti­ons­recht und Akten­ein­sichts­recht der Gefan­ge­nen vor, die er aus­führ­lich begrün­det.

Ins­ge­samt ist das Werk ein fun­dier­ter und damit äußerst hilf­rei­cher Leit­fa­den für alle Fra­gen des Umgangs mit dem Daten­schutz und dem Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung im Straf­voll­zug, der wegen sei­ner aus­führ­li­chen dog­ma­ti­schen Befas­sung mit den The­men auch noch nach Inkraft­tre­ten der Richt­li­nie (EU) 2016/680 und deren Umset­zung in inner­staat­li­ches Recht beach­tens­wert genannt wer­den kann.