Legal Tech – A Practitioner’s Guide

Mar­kus Har­tung, Michael-Manuel Bues, Ger­not Halb­leib,

Legal Tech – A Practitioner’s Guide, Ver­lag C.H. Beck, Mün­chen 2018, 200,00 €

Ach, das kennt man doch, das hatte man doch vor etwa einem drei­vier­tel Jahr schon ein­mal in deut­scher Spra­che in der Hand? Nicht ganz, denn die vor­lie­gende inter­na­tio­nale Aus­gabe des für den deut­schen Markt Anfang 2018 erschie­nen Buches ist keine bloße Über­set­zung, son­dern eine Fort­schrei­bung. In ihr spie­geln sich drei Aspekte. Zunächst ist die Per­spek­tive auf den Markt juris­ti­scher Dienst­leis­tun­gen in dem dar­ge­bo­te­nen inter­na­tio­na­len Kon­text deut­lich wett­be­werbs­ori­en­tier­ter, als es der deut­sche Text mit sei­nem Blick auf das hie­sige Ver­ständ­nis der freien Advo­ka­tur ist. Für den deut­schen Markt – das ist es ja nun ein­mal – bedeu­tet das: warm anzie­hen, denn der zweite Aspekt, den die inter­na­tio­nale Aus­gabe offen­legt, ist der grenz­über­schrei­tende Cha­rak­ter von Legal Tech. Schon bis­her sollte auf­ge­fal­len sein, dass Online-Anbieter von Ver­trags­ge­ne­ra­to­ren ihren Sitz nicht unbe­dingt in Deutsch­land haben müs­sen. Und schließ­lich zeigt die Erwei­te­rung des Umfan­ges und die Auf­nahme neuer The­men wie etwa Smart-Contracts, dass von einer dyna­mi­schen Ent­wick­lung berich­tet wird.

Legal Tech, steckt, so die Rück­über­set­zung des eng­li­schen Vor­wor­tes, in den Kin­der­schu­hen. Das Buch will zei­gen, wo die Reise hin­geht, wel­che Aus­wir­kun­gen Legal Tech auf den Markt juris­ti­scher Dienst­leis­tun­gen hat. In der deut­schen Ver­sion steht da noch etwas zurück­hal­ten­der der Begriff „Rechts­markt“. Auf den Lite­ra­tur­hin­weis zur deut­schen Aus­gabe an die­ser Stelle sei ver­wie­sen. Die Ände­run­gen und Fort­schrei­bun­gen inter­es­sie­ren hier.

In einem Kapi­tel geht es um Legal Tech in mit­tel­gro­ßen und klei­nen Kanz­leien. Wo bis­her „Ein­satz in einer klei­nen Kanz­lei“ behan­delt wurde, wird nun prä­zi­siert: Legal Tech in a Small Spe­cia­list Law Firm. Über den deut­schen Text hin­aus wird berich­tet, dass Legal Tech neue „busi­ness oppor­tu­nities“ eröff­nete, was zu einer hohen pro­fes­sio­nel­len Spe­zia­li­sie­rung führte. Das erscheint nach­voll­zieh­bar, denn es geht ja gerade darum, durch tech­ni­sche Mit­tel für ein eher schma­les Spek­trum Pro­duk­ti­vi­täts­ge­winne zu erzie­len, um Zeit für bes­sere, das heißt dann auch spe­zia­li­sier­tere Arbeit als Jurist abzu­lie­fern.

Über­ar­bei­tet und erwei­tert ist das Kapi­tel zum „Eco Sys­tem“ (deutsch: sons­tige Akteure und Rah­men­be­din­gun­gen). Die hier zusam­men­ge­tra­ge­nen Bei­spiele und Erfah­run­gen sind fast ver­dop­pelt.

Deut­lich fort­ge­schrie­ben ist das Kapi­tel über künst­li­che Intel­li­genz. Es ist nichts Revo­lu­tio­nä­res hin­zu­ge­kom­men. Es wird unter Chan­cen und Risi­ken dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es sich um einen Ent­wick­lungs­pro­zess han­delt und vor allem die Anlern­phase Zeit kos­tet, aber auch noch nicht voll trai­nier­tes Tool kön­nen von gro­ßem Wert sein. Es folgt der Tipp, die Anschaf­fung nicht nur davon abhän­gig zu machen, wie genau die Ergeb­nisse im Moment aus­se­hen. Beim Aus­blick geht es nicht nur um die Auto­ma­ti­sie­rung, son­dern auch um eine neue Bezie­hung zwi­schen Maschi­nen und Men­schen: „Legal AI“ mache den Anwalt bes­ser, der müsse aber seine Art, wie er seine Arbeit erle­digt, ändern. Auch hier in einer Über­schrift eine Ver­schär­fung der Aus­sage: „Wert­schät­zung von Daten“ heißt es auf deutsch, „data is gold“ im Eng­li­schen.

In der deut­schen Ver­sion sind Block­chain und Smart Con­tracts in einem Kapi­tel. Die The­men sind in der inter­na­tio­na­len, fort­ge­schrie­be­nen Fas­sung getrennt und damit ver­tieft. Man müsse nicht kom­plexe IT-Systeme wie etwa Apple für iTu­nes auf­bauen, um als klei­nes Unter­neh­men IP-Lizenzvereinbarungen zu admi­nis­trie­ren, heißt es etwa ein­füh­rend. Es wer­den ver­schie­dene Bei­spiele genannt, wobei das einer Ver­si­che­rung für Flug­ver­spä­tun­gen am ein­gän­gigs­ten ist: Die Ver­si­che­rung wird auf der Block Chain abge­schlos­sen und läuft auto­ma­tisch: In Daten­ban­ken zum Luft­ver­kehr wird nach­ge­schaut, ob der Flug pünkt­lich ist oder nicht und gege­be­nen­falls läuft die Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen auto­ma­tisch. Es wird ein inter­es­san­ter zusätz­li­cher Hin­weis gebo­ten, ob eine Flug­ge­sell­schaft in einer finan­zi­el­len Krise daran teil­neh­men würde, denn die ent­ste­hen­den For­de­run­gen wür­den auto­ma­tisch in den eige­nen Daten erschei­nen.

Am Ende gibt es umfang­rei­che Län­der­be­richte, wie es um Legal Tech in Aus­tra­lien oder Öster­reich steht, in Indien oder Israel oder den USA und mehr. Wen wun­dert es, dass der Bei­trag über die USA recht viel zu berich­ten hat?

Die inter­na­tio­nale Aus­gabe des Wer­kes geht nicht nur deut­lich über die deut­sche Fas­sung hin­aus, son­dern bie­tet einen umfang­rei­che­ren und deut­lich bes­ser struk­tu­rier­ten Über­blick.

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