Legal Tech (Taschenbuch)

Markus Har­tung, Ger­not Hal­bleib, Micha Manuel Bues, Legal Tech, Ver­lag C.H. Beck und Ver­lag Vahlen, München 2018, 89,00 €

„Unternehmerisches Denken ist gefragt“, so das Faz­it der Aus­führun­gen zum „Weg zur Legal Tech Strate­gie“ im eher ein­lei­t­en­den Kapi­tel des Werkes zur Bedeu­tung der Dig­i­tal­isierung. Immer mehr Juris­ten „real­isierten“, dass die Dig­i­tal­isierung nicht spur­los an der Rechts­branche vorüberg­ing. Diese sei „stets mehrdi­men­sion­al“. Das ist eine gute Beschrei­bung, für den Inhalt dieses Werkes, das teils auf englisch einen Überblick über den Stand der Dinge geben will.

„Zwis­chen Buzz Word und Anwaltss­chreck“ ste­ht über den Aus­führun­gen zur deutschen Szene. Das Buzz Word „Big Law“ darf da nicht fehlen. Englisch geht es weit­er mit den Verän­derun­gen des US-Rechts­mark­ts, getrieben von „Big Data“. Es schließt sich ein Aus­blick nach UK an.

Das dritte Kapi­tel beschreibt Legal Tech in Großkan­zleien und hin­ter­lässt einen etwas patch­workar­ti­gen Ein­druck. Man kön­nte neg­a­tiv sagen, es fehlt der rote Faden. Man kann pos­i­tiv sagen, dass sehr unter­schiedliche Beispiele dargestellt wer­den, die die Band­bre­ite dessen, was man sich unter Legal Tech vorstellen kön­nte, beschreiben. Es fol­gen Beispiele für mit­tel­große und kleine Kan­zleien, dann geht es um Rechtsabteilun­gen und schließlich um son­stige Akteure wie etwa die Online-Stre­it­bei­le­gung, juris­tis­che Ver­lage und neue Berufs­bilder in der juris­tis­chen Aus­bil­dung: Legal Ana­lyst, Legal Design­er oder Legal Engi­neer. Das hat, wie dargestellt wird, Auswirkun­gen auf das Berufsrecht.

Die Tech­nolo­gie („Wie baut man einen Recht­sauto­mat­en?“) ein­schließlich Über­legun­gen zur automa­tisierten Doku­menten­er­stel­lung und kün­stlich­er Intel­li­genz im Recht sowie am Ende Blockchain sowie Smart Con­tracts schließen sich an.

Das Werk spricht ziem­lich jeden Aspekt an, der gegen­wär­tig mit Legal Tech in Verbindung gebracht wird. Die einzel­nen Beiträge sind recht unter­schiedlich – ein­er­seits eupho­rische Dig­i­tal­isierungs­berichte, ander­er­seits abge­wo­gene Über­legun­gen, was aus der bish­eri­gen Rechtsin­for­matik beibehal­ten und mit neuen zum Teil dem Mar­ket­ing entlehn­ten Begrif­f­en über­nom­men wer­den kann. Insoweit macht das Werk deut­lich, dass Legal Tech gegen­wär­tig alles andere als ein fest­ge­fügter Begriff ist.

Deut­lich wird, dass die Rechtsin­for­matik in dem Sinn, wie sie beispiel­sweise Max­i­m­il­ian Her­berg­er, der Ehren­vor­sitzen­der des Deutschen EDV-Gericht­stages, ver­ste­ht, bere­its vieles in ein­er anderen Sprache beschrieben hat­te: wie kann Tech­nik das Recht unter­stützen und welche rechtlichen Rah­menbe­din­gun­gen muss Tech­nik beacht­en? Wie sind also die Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen bei­den Bere­ichen. Der zulet­zt genan­nte Aspekt kommt vielle­icht in der aktuellen, hier doku­men­tierten Diskus­sion um Legal Tech ein wenig zu kurz.

Es ist gut, dass Diskus­sio­nen unter mod­er­nen Begrif­f­en neu aufge­set­zt wer­den. Der EDV-Gericht­stag wurde in ein­er sprach­lich anderen Zeit gegrün­det, das „EDV“ im Namen ste­ht für Kon­ti­nu­ität bei der Behand­lung von The­men, die nun teils mit dem neuen Begriff die Juris­ten beschäfti­gen, die teils aber eben doch neue Aspek­te bein­hal­ten. Das macht es so spannend.