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IT-Unterstützung bei der anwaltlichen Arbeit

23. September 2016 um 9:00 Uhr bis 10:30 Uhr

IT-Unter­stützung bei der anwaltlichen Arbeit

Fre­itag, 23.09.2016, 9.00 Uhr, HS 0.19

Mod­er­a­tion:

Dr. Thomas Lapp, Recht­san­walt und Medi­a­tor, IT-Kan­zlei dr-lapp.de, Frank­furt

Ref­er­entin:

Yvonne Roß­mann, Recht­san­wältin und Fachan­wältin für IT-Recht, Jun Recht­san­wälte – Kan­zlei für IT- und Wirtschaft­srecht, Würzburg

 Pro­tokoll:

Pro­tokoll IT-Unter­stützung bei der anwaltlichen Arbeit

Com­put­er wer­den Juris­ten nicht erset­zen, aber mit Hil­fe von Com­put­ern kön­nen Nicht-Juris­ten Juris­ten erset­zen.

Bevor Siri und Cor­tana anstelle von Anwäl­ten einst­weilige Ver­fü­gun­gen beantra­gen, wer­den wir ver­mut­lich längst in selb­st­fahren­den Autos dösen. Aber die Frage, ob ein Werkun­ternehmer eigentlich ein schein­selb­ständi­ger Arbeit­nehmer ist, entschei­det der Com­put­er schon heute mit erstaunlich­er Zuver­läs­sigkeit. Wo ste­hen wir, was wird möglich und welche Visio­nen sind Unfug, mit dem sich Infor­matik­er inter­es­sant machen wollen?

RAin Yvonne Roß­mann entwick­elt und betreut in der Kan­zlei Jun Recht­san­wälte wis­sens­basierte Sys­teme für Rechtsabteilun­gen und Anwen­der und zeigt die Poten­ziale und Gren­zen solch­er Experten-Tools auf.

Juris­tis­che Prob­lem­lö­sung braucht Fach­wis­sen, men­schlichen Ver­stand und Genauigkeit. Zwei von diesen Eigen­schaften kön­nen auch Com­put­er erbrin­gen. Die dritte Eigen­schaft, das men­schliche Ermessen nach Abwä­gungsver­mö­gen und Intel­li­genz, benötigt kein Staat­sex­a­m­en. Ein Mitar­beit­er der Fach­abteilung, der ohne­hin näher am Sachver­halt ist, kann mit juris­tis­chen Tools Sachver­halte schneller und gün­stiger lösen als ein Jurist.

Die Investi­tion in solche Stan­dar­d­isierungssys­teme lohnt sich dann, wenn sich Sachver­halte ständig wieder­holen, wie etwa die Erstel­lung und Prü­fung von Stan­dard­verträ­gen, Beauf­tra­gung von Dien­stleis­tern, Open Source Com­pli­ance oder Asylver­fahren. Juris­ten lassen sich also zum Teil durch Maschi­nen erset­zen – gegenüber Juris­ten nen­nen wir es lieber „unter­stützen“.

Die Experten-Tools für die Bear­beitung von Rechts­fra­gen arbeit­en mit KI-Unter­stützung, Diag­nose-Scor­ing und Stan­dar­d­isierung.

Solche Sys­teme sind bere­its live im Ein­satz, z.B. bei einem großen deutschen Auto­mo­bil­her­steller:

Der Ver­trags­gen­er­a­tor sorgt dafür, dass wichtige Klauseln nicht vergessen wer­den, Stan­dards unternehmensweit ange­wandt wer­den und sich mit Schal­tern der Ver­tragsin­halt abhängig von gewählten Kri­te­rien (z.B. Sprache, Regelungsin­halte, Zeug­nis­noten, günstige/ ungün­stige Klauseln etc.) sofort anpasst.

Beim Beauf­tra­gungscheck wer­den die heuris­tis­chen Kri­te­rien für unzuläs­sige „Schein­selb­st­ständigkeit“ statt zuläs­siger werk-/ dien­stver­traglich­er Beauf­tra­gung vom beauf­tra­gen­den Mitar­beit­er abge­fragt, im Tool gewichtet und mit anhand von Recht­sprechung kalib­ri­erten Diag­nose-Scores aus­gew­ertet.

Im Rah­men der Open Source Com­pli­ance wer­den die wichti­gen Kri­te­rien vom Entwick­ler abge­fragt. Im Rah­men des ler­nen­den Sys­tems wer­den Soft­ware-Ein­trä­gen Lizen­zen zugewiesen. Anhand von geclus-terten Lizen­z­fam­i­lien wer­den die gemelde­ten Anwen­dungs­fälle über einen Entschei­dungs­baum von der KI mit ein­er vorgeschla­ge­nen Fal­lkat­e­gorie verse­hen, die dann wiederum eine Ein­schätzung für den Anwen­der liefert.

Solche Sys­teme scheit­ern jedoch grandios, wenn tech­nikbegeis­terte Pio­niere den ganz großen Wurf lan­den wollen, indem der Com­put­er gle­ich den geschriebe­nen Sachver­halt unter § 142 StGB sub­sum­ieren soll. Das war Anfang der 90er Jahre Anlass dafür, dass man Jura und KI erst ein­mal nicht näher betra­cht­en musste. Im Netz quälen einige Ver­tragsauto­mat­en mit ewig lan­gen Dialo­gen und For­mu­la­ren, um am Ende den Hin­weis zu geben, dass man statt des Arbeitsver­trages doch noch ein­mal mit dem Teilzeitar­beitsver­trag anfan­gen sollte. So etwas macht keine Lust auf mehr – es geht aber auch bess­er.

Das Vorhaben, juris­tis­che Arbeit durch IT-Unter­stützung zu erle­ichtern, verbessern oder beschle­u­ni­gen, ist nicht triv­ial, aber längst nicht unmöglich.

Details

Datum:
23. September 2016
Zeit:
9:00 Uhr bis 10:30 Uhr
Veranstaltungskategorien:
,

Veranstaltungsort

Hörsaal 0.19
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