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Strukturierte Analyse & Wissensgraphen

16. September @ 9:00 10:30

Hörsaal 0.19, Geb. B 4.1, Universität des Saarlandes

Deutschland

Dieser Arbeitskreis will einen Ausblick in die mögliche Zukunft der Informationsbeschaffung und -verarbeitung im rechtlichen Bereich bieten. Durch den elektronischen Rechtsverkehr wird es immer mehr Dokumente in elektronischer Form geben, oder sie werden in diese Form überführt. Wo heute noch aufwendig Dokumentinhalte in manuell vordefinierte Schemen transferiert werden müssen, können zukünftig Maschinen bei der Extraktion strukturierter Informationen einen großen Teil der Routinearbeiten übernehmen. Die Extraktion allein macht aber nur Sinn, wenn die daraus gewonnenen Erkenntnisse so abgespeichert werden können, dass die relevante Information für den Benutzer oder weitere Fachanwendungen leicht auffindbar zur Verfügung steht. Hier kommen die Wissensgraph-Technologien zur Anwendung, denn sie sind anders als klassische Datenbanken, in der Lage Wissen kontextual abzuspeichern und wiederzugeben.

Dementsprechend gibt es eine Phase der Analyse und eine der Speicherung. Die Vorträge aus dem vergangenen Jahr zum strukturierten Parteivortrag zeigen, dass die Analyse auch schon in den Prozess eingearbeitet werden kann. Weitere Analysen können mit Natural Language Processing (NLP) vorgenommen und automatisch in den Wissensgraph eingeordnet werden. Auch Anomalien und Besonderheiten werden schnell und leicht gefunden.

Wissensgraph-Technologien zielen darauf ab, Informationen aus verschiedenen Quellen in einer einheitlichen Struktur abzubilden. Auf der Basis dieser Technik könnten künftig auch immer öfter Routineaufgaben der Recherche an die Maschine delegiert werden, da anstatt der mühsamen Suche über mehrere Dokumente ein einheitliches Abfragen, auch kontextual, von Informationen möglich wird. Ein Prozess mit 300 Aktenordnern verliert somit seinen Schrecken, denn die relevante Information wird automatisch analysiert und das so entstandene Wissen steht für den Benutzer oder weitere Fachanwendungen leicht auffindbar zur Verfügung. Da das Recht selbst sehr viel mit Kontext arbeitet, ist die kontextuale Wissenrepräsentation ein entscheidender Vorteil. Selbstverständlich werden so auch manuelle Anmerkungen des Bearbeiters integrierbar.

Tianyu Yuan und seine Firma Codify nutzen NLP, um Dokumente inhaltlich zu prüfen. Er wird aufzeigen, wie man mit automatischer Analyse Erkenntnisse gewinnt.

Das DFKI hat hohe Kompetenzen im Bereich von Machine Learning und Wissensrepräsentation. Dies eröffnet neue Nutzungsmöglichkeiten, die weit über komplexe Datenbankabfragen hinaus gehen. Thierry Declerck wird eine allgemeinverständliche Einführung in die Technologie der Wissensgraph-Technologien beisteuern.

Die Technologie der Wissensrepräsentation hat das Potential die juristische Arbeit, aber auch den rechtlichen Alltag der Verbraucher grundlegend zu verändern. Rigo Wennings Vortrag wird die Zusammenhänge auf einem verständlichen Niveau aufzeigen. Insbesondere die Kombination von NLP, strukturiertem Parteivortrag und Wissensgraphen fügt sich zu einem Gesamtbild einer neuen Informationsverarbeitung in der Rechtspraxis zusammen.

Im Anschluss an die Vorträge soll unter Einbeziehung des Publikums über die künftige Ausrichtung der Informationsverarbeitung in der Justiz diskutiert werden.

Der Arbeitskreis wird von Dr. Jörn Erbguth moderiert.

Tianyu Yuan ist Rechtsanwalt und Robotiker. Als Jurist war er für führende internationale Wirtschaftskanzleien in Europa und Asien tätig. Er ist Experte für künstliche Intelligenz im Recht und Legal Tech. Er ist Mitgründer eines Legal Tech Startups im Bereich digitale juristische Ausbildung und Wissensvermittlung.

Thierry Declerck studierte Philosophie an der Universität Brüssel und Computerlinguistik an der Universität Tübingen. Er arbeitet seit 1996 am DFKI im Labor für Mehrsprachigkeit und Sprachtechnologie (MLT). Derzeit leitet er seitens des DFKI das H2020-Projekt “Prêt-à-LLOD” (http://www.pret-a-llod.eu/). Außerdem ist er wissenschaftlicher Kommunikationsmanager der COST-Aktion CA18209 – European network for Web-centred linguistic data science (NexusLinguarum).

Rigo Wenning ist Rechtsanwalt, Standardisierer und Mitglied im Vorstand des EDV-Gerichtstages. Er war Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik in Saarbrücken bevor er zum World Wide Web Consortium wechselte. Dort war er 1999 bis 2013 zuständig für Datenschutz und übernahm 2004 als Legal counsel das Justitiariat. Seit 2013 kamen viele Aufgaben im Bereich Big Data, künstliche Intelligenz und Interoperabilität hinzu. Rigo Wenning ist Co-chair der Task Force Interoperability in der Big Data Value Association (BDVA/DAIRO).

Moderation:

Dr. Jörn Erbguth ist Jurist und Informatiker. Er ist als Head of Technology Insights bei der NGO Geneva Macro Labs tätig und berät zudem zu den Themen Blockchain and Datenschutz. Daneben ist er Lehrbeauftragter an verschiedenen Schweizer Universitäten sowie Mitglied im Vorstand des Deutschen EDV-Gerichtstags als auch des Vereins entscheidsuche.ch, welcher Schweizer Gerichtsentscheide gesammelt online stellt.