Such- und Ordnungskriterien in juristischen Datenbanken am Beispiel von juris

Zeit: Don­ner­stag, 10. April 1997, 11.00 Uhr
Ort: HS 112
Mod­er­a­tion: Herr Univ.-Professor Dr. Moritz
Ref­er­enten: Herr Regierungs­di­rek­tor Schliebs
Herr Erbguth

Juris­tis­che Daten­banken (online oder auf CD-ROM) wer­den von uns allen häu­fig, aber meist in ziem­lich ein­fach­er Weise benutzt (Voll­textsuche, Para­graphen­suche). Dies liegt ein­mal an der kom­plizierten Retrieval-Soft­ware, die sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Wir scheuen aber auch den Aufwand, der eigentlich nötig ist, um eine opti­male Suche vornehmen zu kön­nen.

Im Arbeit­skreis wer­den aktuelle Such­sys­teme skizziert und neuere Ten­den­zen zu ihrer Verbesserung vorgestellt. Primär geht es zur Zeit um die Opti­mierung des sys­tem­a­tis­chen Zugriffs auf juris­tis­che Daten­banken.

1. Das größte aktuelle Pro­jekt ist die “Neustruk­turierung der Sachge­bi­ets­gliederung” der juris GmbH. Ziel ist, den Nutzern die Möglichkeit zu geben, struk­turi­ert in den juris-Daten­banken suchen zu kön­nen. Die bish­erige Sachge­bi­ets­gliederung hat sich als nicht aktuell erwiesen. Außer­dem ist sie für den gele­gentlichen Nutzer zu kom­pliziert, weil sie einen hohen Einar­beitungsaufwand erfordert. Die neue Sachge­bi­ets­gliederung läßt sich intu­itiv erschließen und entspricht dem Stand der Rechtswis­senschaft. Sie wird von Vertretern der Rechtswis­senschaft und von den Doku­men­ta­tion­sstellen der Bun­des­gerichte, des OVG Mün­ster und des BVer­fG erar­beit­et. Reg.-Dir. Schliebs (Doku­men­ta­tion­sstel­len­leit­er beim BGH) wird den aktuellen Entwick­lungs­stand vorstellen.

2. Ein weit­eres noch in der Pla­nung befind­lich­es Pro­jekt ist die Erstel­lung eines juris­tis­chen Schlag­wort-The­saurus (Prof. Moritz, Uni­ver­si­taet Ham­burg). Schlag­wörter wer­den von Doku­mentaren einzel­nen Doku­menten (Entschei­dun­gen, Lit­er­atur-Abstracts) zuge­ord­net. Solange es keinen The­saurus gibt, wis­sen die Nutzer nicht, welche Begriffe die Doku­mentare ver­wandt haben. Es ist kon­se­quent, die mit der Sachge­bi­ets­gliederung erar­beit­ete Sys­tem­atik auch sprach­lich umzuset­zen. Ein juris­tis­ch­er The­saurus kön­nte zu ein­er Vere­in­fachung der Suche führen. Dies bedeutet allerd­ings, daß die sprach­liche Vielfalt reduziert wird, was vie­len Juris­ten schw­er fällt.

3. Für die meis­ten Nutzer scheint die Voll­textsuche ide­al, weil man nur ein Wort einzugeben braucht und sofort ein Ergeb­nis genan­nt bekommt. Der Einar­beit­sungsaufwand scheint min­i­mal. Tat­säch­lich ist der Ertrag der Voll­textsuche ger­ing (zu wenige rel­e­vante Doku­mente ver­wen­den das Wort, oder zu viele). Vor allem in den USA wird seit langem an ein­er Verbesserung der Voll­textsuch-Soft­ware gear­beit­et. Herr Erbguth (juris GmbH) wird bericht­en, wieweit es gelun­gen ist, mit prob­a­bilis­tis­chen Sys­te­men die Hand­habung der Voll­textsuche zu vere­in­fachen und ihren Ertrag zu opti­mieren.

4. Abschließend soll disku­tiert wer­den, welche Rück­wirkun­gen das Arbeit­en mit juris­tis­chen Daten­banken auf die Hand­habung des Rechts in der Prax­is und auf die Rechtswis­senschaft hat: Die Erstel­lung ein­er Sys­tem­atik des Rechts im Rah­men der Sachge­bi­ets­gliederung kön­nte das sys­tem­a­tis­che Denken von Juris­ten prä­gen; ein juris­tis­ch­er The­saurus schränkt die Ver­wen­dung juris­tis­ch­er Begriffe ein.