Bund-Länder-Kommission IV

BLK: Erfah­run­gen mit dem auto­ma­ti­sier­ten Abruf­ver­fah­ren beim maschi­nell geführ­ten Grund­buch und Per­spek­ti­ven

Zeit: Frei­tag, 3. April 1998, 11.45 Uhr bis 12.30 Uhr
Ort: HS 112

Baye­ri­sches Staats­mi­nis­te­rium der Jus­tiz

Erfah­run­gen mit dem auto­ma­ti­sier­ten Abruf­ver­fah­ren beim maschi­nell geführ­ten Grund­buch und Per­spek­ti­ven

Bay­ern hat Ende 1994 damit begon­nen, die bei den 104 Grund­buch­äm­tern vor­han­de­nen rd. 5 Mio Grund­bü­cher unter Ein­satz des Ver­fah­rens SOLUM-STAR auf maschi­nelle Füh­rung umzu­stel­len. Erst­mals in der Geschichte der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wurde damit eines der gro­ßen öffent­li­chen Regis­ter der Amts­ge­richte aus­schließ­lich elek­tro­nisch geführt. Durch die Ein­rich­tung der Zen­tra­len Grund­buch­spei­cher­stelle für Bay­ern (ZGBS) in Mün­chen und fünf über das Land ver­teilte Grund­buch­um­stel­lungs­zen­tren ist es inner­halb ver­hält­nis­mä­ßig kur­zer Zeit gelun­gen, ein Drit­tel der Papier­grund­bü­cher mit einem Gesamt­vo­lu­men von rd. 60 Mio Sei­ten auf maschi­nelle Füh­rung umzu­stel­len. Nach dem Pro­jekt­plan wird die Umstel­lung in Bay­ern im Jahr 2001 abge­schlos­sen sein.

Neben der maschi­nel­len Grund­buch­füh­rung, die für die Jus­tiz erheb­li­che Effi­zi­enz­vor­teile mit sich bringt, war die Ein­rich­tung eines auto­ma­ti­sier­ten Abruf­ver­fah­rens von Anfang an ein Kern­stück des Pro­jekts. Fol­gende Ent­wick­lungs­ziele wur­den für die­sen Ver­fah­rens­zweig defi­niert:

  • Nut­zung des Ver­fah­rens über den vor­han­de­nen Anschluß an das öffent­li­che Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­netz,
  • ein­fa­che PC-Technik auf der Nut­zer­seite,
  • Schutz der Authen­ti­zi­tät und Inte­gri­tät der Daten bei der Über­tra­gung,
  • leichte Bedien­bar­keit des Abruf­ver­fah­rens auf der Nut­zer­seite.

Das auto­ma­ti­sierte Abruf­ver­fah­ren wird in Bay­ern seit Juni 1995 im Echt­be­trieb ein­ge­setzt. Fast 400 000 Abrufe wur­den seit­her von den der­zeit rd. 250 zum Ver­fah­ren zuge­las­se­nen Teil­neh­mern durch­ge­führt. Der Groß­teil der Nut­zer hat sei­nen Sitz in Bay­ern. Dar­über hin­aus sind aber auch eine Reihe wei­te­rer Teil­neh­mer mit Sitz in ande­ren Län­dern der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zuge­las­sen.

Fol­gende Funk­tio­nen ste­hen inner­halb des Abruf­ver­fah­rens zur Ver­fü­gung (vgl. §§ 133, 126 GBO, § 80 GBV):

  • Ein­zel­ab­ruf maschi­nell geführ­ter Grund­bü­cher,
  • Her­stel­lung eines Grund­buch­ab­drucks,
  • Seri­en­ab­ruf maschi­nell geführ­ter Grund­bü­cher,
  • Recher­che im Flurstücks- und Eigen­tü­mer­ver­zeich­nis (Funk­tion F & E),
  • Recher­che in der Vor­gangs­ta­belle (Funk­tion „Mar­ken­ta­belle”) zur Fest­stel­lung dem Grund­buch­amt vor­lie­gen­der Ein­tra­gungs­an­träge und des Bear­bei­tungs­stands.

Im Rah­men der Wei­ter­ent­wick­lung wird der­zeit an der Bereit­stel­lung fol­gen­der zusätz­li­cher Funk­tio­nen gear­bei­tet:

  • Daten­ex­port (Bereit­stel­lung der abge­ru­fe­nen Grund­buch­da­ten zum Zwe­cke der Wei­ter­ver­ar­bei­tung durch den Nut­zer ),
  • Abruf der digi­ta­len Flur­karte.

Inner­halb eines Pilot­pro­jekts wird der­zeit die Mög­lich­keit geprüft, das auto­ma­ti­sierte Abruf­ver­fah­ren über das Inter­net ver­füg­bar zu machen.

Zwar sind die mit dem Ein­satz des auto­ma­ti­sier­ten Abruf­ver­fah­rens ver­bun­de­nen per­so­nel­len, orga­ni­sa­to­ri­schen und tech­ni­schen Anfor­de­run­gen beträcht­lich. Die Vor­teile die­ses Ver­fah­rens für die Nut­zer sowie für die Grund­buch­äm­ter über­wie­gen jedoch bei wei­tem. Das auto­ma­ti­sierte Abruf­ver­fah­ren hat sich in Bay­ern als sta­bi­ler Fak­tor im Umfeld des Grund­stücks­ver­kehrs und Boden­kre­dits eta­bliert.

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