- Deutscher EDV-Gerichtstag e.V. - https://www.edvgt.de -

Saar­brü­cker Stan­dard 1999 für Soft­ware­do­ku­men­ta­tion ver­ab­schie­det

Saar­brü­cker Stan­dard 1999 für Soft­ware­do­ku­men­ta­tion ver­ab­schie­det

Der Deut­sche EDV-Gerichtstag befaßt sich seit eini­gen Jah­ren in einem Arbeits­kreis[1] [1] mit dem Thema Hand­buch und Doku­men­ta­tion. Nach­dem 1998 eine Prüf­liste[2] [2] mit Anfor­de­run­gen an die Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit[3] [3] ver­ab­schie­det wor­den war [4] [4], erör­terte der EDV-Gerichtstag 1999 gestal­te­ri­sche Anfor­de­run­gen an die Über­sicht­lich­keit und Ver­ständ­lich­keit der Doku­men­ta­tion für die jewei­li­gen Benut­zer. [5] [5]

I. Recht­li­che Grund­la­gen

Die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sieht wei­ter­hin die Lie­fe­rung eines regel­mä­ßig in deut­scher Spra­che abzu­fas­sen­den Hand­buchs als Hauptleistungs-pflicht des Soft­ware­lie­fe­ran­ten an, deren Nicht­ein­hal­tung den Ver­trag ins­ge­samt schei­tern läßt.[6] [6]

Aber auch wenn man mit zuneh­men­der Ver­brei­tung der Com­pu­ter­nut­zung statt der Nicht­er­fül­lung bei Feh­len der Doku­men­ta­tion in ZukunftGewähr­leis­tungs­recht anwen­den wollte, stellt das Feh­len einer Doku­men­ta­tion einen Man­gel dar. Nach dem der­zei­ti­gen Stand der Tech­nik und der Markt­üb­lich­keit bedarf Soft­ware näm­lich nach wie vor einer Doku­men­ta­tion. Dies gilt für alle Arten von Soft­ware­me­dien; ledig­lich der Aus­füh­rungs­grad kann unter­schied­lich sein.

Min­dest­an­for­de­run­gen an eine Benut­zer­do­ku­men­ta­tion sind eine Instal­la­ti­ons­an­lei­tung, eine Über­sicht über den Auf­bau des Pro­gramms sowie die Dar­stel­lung des Pro­gramm­ein­stiegs und der Behand­lung von Feh­lern. Bezüg­lich der Form der Doku­men­ta­tion die Recht­spre­chung zuneh­mend nicht nur die gedruckte Form, son­dern auch die für jeder­mann aus­druck­bare geson­derte Datei zu. Der Her­stel­ler trägt hier­bei die Beweis­last für die Aus­druck­bar­keit der not­wen­di­gen Anga­ben.

Die Doku­men­ta­tion ist jeweils dann anzu­pas­sen, wenn Ände­run­gen bei der Anwen­dung der Soft­ware erfor­der­lich sind, die für einen durch­schnittl­lich befä­hig­ten Nut­zer der Ziel­gruppe nicht unmit­tel­bar aus der Soft­ware her­aus ver­ständ­lich sind. Bei Pro­gram­men, die stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den, genügt eine etwa jähr­li­che Aktua­li­sie­rung.

II. Gestal­tung der Doku­men­ta­tion

Die Gestal­tung der Doku­men­ta­tion hat sich an den Bedürf­nis­sen und Fähig­kei­ten der vom Her­stel­ler ins Auge gefaß­ten Ziel­gruppe zu ori­en­tie­ren und muß für diese ver­ständ­lich sein. Die von der Recht­spre­chung für Benut­zer­an­lei­tun­gen im Rah­men der Pro­dukt­haf­tung ent­wi­ckel­ten Grund­sätze sind auf Soft­ware­an­lei­tun­gen ent­spre­chend anzu­wen­den.[7] [7] Für die Gestal­tung tech­ni­scher Doku­men­ta­tion bestehen im übri­gen eine Viel­zahl tech­ni­scher Nor­men, die auch bei Soft­war­an­lei­tun­gen Gel­tung bean­spru­chen, z.B. für Benut­zer­in­for­ma­tio­nen all­ge­mein[8] [8], für die druck­tech­ni­sche Gestal­tung[9] [9] und die Dar­stel­lung tech­ni­scher Gra­fi­ken [10] [10].

Ziel die­ser Regeln ist ein kla­rer, für den Leser erkenn­ba­rer Auf­bau der Doku­men­ta­tion, eine ein­heit­li­che Begriffs­ver­wen­dung und eine Glie­de­rung in über­schau­bare Infor­ma­ti­ons­pa­kete. Hand­lungs­an­wei­sun­gen müs­sen auch sprach­lich klar von erklä­ren­den Tei­len getrennt sein. Dem heu­ti­gen Stan­dard ent­spre­chen wei­ter sog. Lese­li­nien, die einen Schnell­durch­gang durch die Infor­ma­tion für den geüb­ten Nut­zer und ein­ge­hen­dere Erläu­te­run­gen für den uner­fah­re­nen vor­se­hen. Ver­bote und War­nun­gen müs­sen klar aus­ge­spro­chen und begrün­det wer­den.[11] [11]

Bei der gra­fi­schen Gestal­tung dür­fen nicht zu viele Details auf ein­mal ange­bo­ten wer­den und ist eine Erläu­te­rung von Mas­ken­dar­stel­lun­gen z.B. mit Hilfe von Pfei­len und Erläu­te­run­gen erfor­der­lich, die dem Leser die Bild­aus­sage erschließt. Die Ver­wen­dung gebräuch­li­cher Schrifft­ty­pen und For­ma­tie­run­gen und eine ein­wand­freie Zuord­nung von Text- und Bild­aus­sa­gen sind wei­tere Anfor­de­run­gen an die Ver­ständ­lich­keit der Doku­men­ta­tion.

Der fol­gende nach ein­ge­hen­der Dis­kus­sion als Saar­brü­cker Stan­dard ver­ab­schie­dete Kri­te­ri­en­ka­ta­log faßt die Ergeb­nisse der bis­he­ri­gen Beschäf­ti­gung mit dem Thema zusam­men. Er soll den Her­stel­lern von Soft­ware als Ori­en­tie­rungs­maß­stab die­nen und die recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine ord­nungs­ge­mäße Doku­men­ta­tion defi­nie­ren.

III. Saar­brü­cker Stan­dard für Software- Anwen­der­hand­bü­cher 1999

  1. Rich­tig­keit (Dr. Streitz)[12] [12]

a) Iden­ti­fi­zie­rende Anga­ben

b) Pro­gramm­kon­forme Dar­stel­lung

  1. Voll­stän­dig­keit (Dr. Streitz)

a) Instal­la­ti­ons­be­schrei­bung

b) Beschrei­bung der Programm-Funktionalitäten

Auf­ga­ben­stel­lung und Ein­satz­ge­biet des Pro­gramms

c) Benutzer-Daten

d) Ver­hal­ten in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen

e) Unter­stüt­zung durch den Programmlieferanten/-hersteller

  1. Übersichtlichkeit/Verständlichkeit (Pöt­ter)

a) Ziel­grup­pen­be­zug

b) Auf­bau

c) Ori­en­tie­rungs­hil­fen

d) Text­ver­ständ­lich­keit

e) Wort­wahl

f) Satz­kon­struk­tion

g) Moti­va­ti­ons­steue­rung

h) Bild­ge­stal­tung

i) Typo­gra­fie und Lay­out


Fuß­no­ten:

[1] [13] Lei­te­rin: Rich­te­rin am Amts­ge­richt Mar­ga­re­the Berg­mann, Köln.

[2] [14] Abge­druckt in CR 1998, 573.

[3] [15] Diese beruht auf Vor­schlä­gen der Sach­ver­stän­di­gen­so­cie­tät Dr. Sieg­fried Streitz in Brühl.

[4] [16] vgl. auch die Erläu­te­run­gen von Brandt, CR 1998, 571 und Berg­mann, CR 1998, 455.

[5] [17] Die Vor­schlags­liste für diese Merk­male ist vom Sach­ver­stän­di­gen­büro Gode­hard Pöt­ter in Reck­ling­hau­sen erstellt wor­den.

[6] [18] Vgl. die Nach­weise bei Beck­mann,CR 1998, 519.

[7] [19] Vgl. z.B. BGH NJW 1992, 560 ( Kindertee-Urteil )

[8] [20] z.B. DIN V 8418 – Benut­zer­in­for­ma­tio­nen; DIN V 766055- Gebrauchs­an­wei­sun­gen

[9] [21] Z.B. DIN 1422- Typo­gra­fi­sche Gestal­tung; DIN 1450- Schrif­ten, Leser­lich­keit; DIN 1451 – Schrif­ten, DIN 16507 Typo­gra­fi­sche Maße

[10] [22] z.B. DIN 4844 – Sicher­heits­kenn­zeich­nung, DIN 30600 Gra­fi­sche Sym­bole, DIN 32830 Gestaltungs- regeln für gra­fi­sche Sym­bole in der tech­ni­schen Pro­dukt­do­ku­men­ta­tion

[11] [23] vgl. z.B. VDI 4500, Pkt. 2.4 Satz 12, DIN V 66055, Pkt. 7.2, vgl. dazu auch OLG Düs­sel­dorf NJW- RR 1995, 25

[12] [24] Die Bezeich­nung in Klam­mern gibt jeweils das Sach­ver­stän­di­gen­büro wie­der, auf des­sen Vor­schlag die nach­fol­gen­den Kri­te­rien auf­ge­nom­men wur­den.