Bund-Län­der-Kom­mis­si­on III

Prä­sen­ta­ti­on von Ver­fah­ren

Zeit: Frei­tag, 22. Sep­tem­ber 2000, 9.00 Uhr
Ort: HS 111
Mode­ra­ti­on: Herr Rich­ter am Land­ge­richt Stich
Refe­ren­ten: Herr Dipl.-Ing. Wolf­raum Zim­mer­mann, Staats­an­walt­schaft Ber­lin
Herr Minis­te­ri­al­rat Rack­witz, Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len
Herr Rich­ter am Land­ge­richt Dr. vom Stein, Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len
Herr Rich­ter am Land­ge­richt Dr. Bacher, Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg
Herr Prof. Dr. Tony Möl­ler, Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um Meck­len­burg-Vor­pom­mern
Frau Jus­tiz­ober­inspek­to­rin Sawal­lich, Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um Meck­len­burg-Vor­pom­mern

Wie bereits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wer­den in die­sem Ver­an­stal­tungs­block aktu­el­le Ver­fah­ren der Ent­wick­ler­ver­bün­de bzw. ein­zel­ner Bun­des­län­der prä­sen­tiert:

JUKOS (Ber­lin)

Die Voll­stre­ckungs­rechts­pfle­ger und Kos­ten­be­am­ten der Gene­ral­staats­an­walt­schaft bei dem Land­ge­richt Ber­lin wur­den in die­sem Jahr mit der Anwen­dungJUKOS aus­ge­stat­tet, einer objekt­ori­en­tiert ent­wi­ckel­ten Lösung zur Unter­stüt­zung der Voll­stre­ckung von Geld­stra­fen, Geld­bu­ßen, Ord­nungs­gel­dern und Ver­mö­gens­stra­fen. Eine Erwei­te­rung auf die Voll­stre­ckung von Frei­heits­stra­fen, Maß­re­geln, Neben­stra­fen und Neben­fol­gen ist für eine spä­te­re Ver­si­on vor­ge­se­hen.

JUDICA und JVV-Online (Nord­rhein-West­fa­len)

JUDICA ist das Daten­bank­fach­sys­tem der nord­rhein-west­fä­li­schen Jus­tiz. Mit Anbin­dung an ein Text­sys­tem (für NRW: TSJ – Text­sys­tem Jus­tiz) unter­stützt JUDICA

  • Amts­ge­rich­te, Land­ge­rich­te und Ober­lan­des­ge­rich­te
  • alle Dienst­zwei­ge und Funk­tio­nen
  • in der ers­ten Ver­si­on alle Zivil‑, Fami­li­en- und Straf­sa­chen (in Pla­nung sind wei­te­re Fach­be­rei­che und Fach­ge­rich­te, bereits begon­nen hat die Ana­ly­se für die Mobi­li­ar- und Immo­bi­liar­voll­stre­ckung).

Auf­grund sei­ner modu­la­ren Struk­tur und sei­nem hohen Grad an Fle­xi­bi­li­tät bil­det JUDICA Grund­funk­tio­nen aller Fach­be­rei­che und Gerichts­bar­kei­ten ab und ist jeweils erwei­ter­bar um erfor­der­li­che Fach­funk­tio­nen für alle Berei­che.

JUDICA ist ein Pro­jekt der Jus­tiz­ver­wal­tung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, das nach dem V‑Modell ’97 orga­ni­siert ist. Neben die eigent­li­che Sys­tem­erstel­lung tritt eine unab­hän­gi­ge Qua­li­täts­si­che­rung, die alle erstell­ten Pro­duk­te einer inten­si­ven Qua­li­täts­kon­trol­le unter­zieht. Alle Sub­mo­del­le sind durch Mit­ar­bei­ter sowohl des Auf­trag­ge­bers als auch des Auf­trag­neh­mers besetzt.

JUDICA ist modu­lar auf­ge­baut. Dies gewähr­leis­tet zum einen die schnel­le und ein­fa­che Anpas­sung, z.B. an Geset­zes­än­de­run­gen. Durch die Aus­wahl von Fach­mo­du­len kann JUDICA außer­dem für den gewünsch­ten Ein­satz­be­reich kon­fi­gu­riert wer­den. Als Basis­mo­du­le beinhal­tet JUDICA unter ande­rem die­se zen­tra­len fach­be­reichs­un­ab­hän­gi­gen bzw. ‑über­grei­fen­den Funk­tio­nen:

  • ver­fah­rens­un­ab­hän­gig ver­wal­te­te Lis­ten für Anwäl­te, Sach­ver­stän­di­ge, Dol­met­scher und Über­set­zer, Ban­ken, Behör­den, Gerich­te…
  • Gerichts­ad­mi­nis­tra­ti­on (mit der Mög­lich­keit der Anbin­dung der Geschäfts­lei­tung und der IT-Benut­zer-Ver­wal­tung) für Auf­bau, Räu­me, Gerichts­per­so­nen usw.
  • Akten­de­ckel und Ver­fah­rens­be­ar­bei­tungs-Tree als zen­tra­le Arbeits­mit­tel
  • all­ge­mei­ne Ver­wal­tung von Ver­fah­ren und deren Betei­lig­ten

Die Samm­lung der Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len (JVV) wur­de bis­her in Lose­blatt­form geführt und umfass­te zu Beginn des Pro­jek­tes JVV-Online bereits 10 Ord­ner (etwa 6000 Sei­ten). Ziel des Pro­jek­tes war es, allen Bediens­te­ten im Geschäfts­be­reich des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len die Jus­tiz­ver­wal­tungs­vor­schrif­ten in aktu­el­ler Form über das Lan­des-Intra­net Jus­tiz NRW zur Ver­fü­gung zu stel­len. Als Platt­form für die­se Anwen­dung wur­de eine Ora­cle-Daten­bank gewählt. Die­se Daten­bank und das Pro­gramm gewähr­leis­ten, dass die Jus­tiz­ver­wal­tungs­vor­schrif­ten in Zukunft nur noch in elek­tro­ni­scher Form geführt wer­den und jeder­zeit aktu­ell vom Nut­zer vor Ort abge­ru­fen wer­den kön­nen. Bei der Funk­tio­na­li­tät wur­de beson­ders auf die Benut­zer­freund­lich­keit Wert gelegt. Wird z. B. in einer Vor­schrift auf eine ande­re Norm inner­halb der Jus­tiz­ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder in ande­ren Gesetz- und Ver­ord­nungs­samm­lun­gen, wel­che in elek­tro­ni­scher Form vor­lie­gen, ver­wie­sen, so kann der Nut­zer sofort über einen „Link“ auf die ent­spre­chen­de Norm zurück­grei­fen. Es ent­fällt das läs­ti­ge Blät­tern in ver­schie­de­nen Samm­lun­gen oder ver­schie­de­nen Ord­nern.

Bei der Ände­rung einer Vor­schrift kann über eine His­to­ri­sie­rungs­funk­ti­on auf den alten Text zurück­ge­grif­fen wer­den. Dies erleich­tert die Bear­bei­tung von Alt­fäl­len.

Es ist vor­ge­se­hen, die Samm­lung der Jus­tiz­ver­wal­tungs­vor­schrif­ten auch über die Lan­des­gren­zen hin­aus zur Nut­zung zur Ver­fü­gung zu stel­len. Daher wird der­zeit geprüft, ob und inwie­weit ein Zugriff auch über das Inter­net oder das bun­des­ein­heit­li­che „Tes­ta-Netz“ ermög­licht wer­den kann.

Elek­tro­ni­sches Grund­buch Baden-Würt­tem­berg

Das Elek­tro­ni­sche Grund­buch FOLIA/EGB des Lan­des Baden-Würt­tem­berg beinhal­tet als moder­nes Daten­bank­sys­tem nicht nur die digi­ta­li­sier­te Archi­vie­rung von Grund­buch­ein­tra­gun­gen mit elek­tro­ni­scher Unter­schrift es bie­tet dar­über hin­aus eine voll­stän­dig inte­grier­te Vor­gangs­be­ar­bei­tung mit Ein­tra­gungs- und Tex­ter­stel­lung, Regis­ter­we­sen, Kos­ten- und Kas­sen­we­sen sowie Sta­tis­tik bis zur voll­stän­di­gen Ver­fah­rens­ab­wick­lung. Als beson­de­re Leis­tung für zuge­las­se­ne exter­ne Nut­zer steht ein zen­tra­les, über Inter­net und inter­ne Ver­wal­tungs­net­ze zugäng­li­ches Aus­kunfts­sys­tem mit Online-Zugriff auf die elek­tro­ni­schen Grund­buch­da­ten zur Ver­fü­gung, über das Grund­bü­cher recher­chiert, ein­ge­se­hen und zur Wei­ter­ver­ar­bei­tung über­nom­men wer­den kön­nen.

ARGUS-EGB (Meck­len­burg-Vor­pom­mern)

Mit der daten­bank­ori­en­tier­ten Anwen­dung ARGUS-EGB ver­folgt Meck­len­burg-Vor­pom­mern für das elek­tro­ni­sche Grund­buch einen hoch­in­te­grier­ten Ansatz, mit dem

  • alle Ein­tra­gungs- und sons­ti­gen Bear­bei­tungs­vor­gän­ge gemäß einer von der Jus­tiz­be­schrie­be­nen Fach­lo­gik kon­sis­tent und voll­stän­dig durch­ge­führt wer­den;
  • Bezie­hun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Grund­bü­chern sowie zwi­schen Ein­tra­gun­gen inner­halb eines Grund­bu­ches über­wacht wer­den;
  • Ände­rungs­ein­tra­gun­gen, die der Sach­be­ar­bei­ter aus­löst, auf Kon­sis­tenz und Voll­stän­dig­keit über­wacht, teil­wei­se auto­ma­tisch aus­ge­führt wer­den;
  • Rötun­gen stets auto­ma­tisch durch­ge­führt wer­den.

Ermög­licht wird dies neben dem Ein­satz einer Stan­dard­da­ten­bank (ORACLE) zur Auf­nah­me von Struk­tur­da­ten, Tex­ten und elek­tro­ni­scher Unter­schrift sowie einer in die Abläu­fe durch­gän­gig inte­grier­ten Text­ver­ar­bei­tung vor allem durch die Logik­kom­po­nen­te ISABEL, die den Arbeits­platz des Sach­be­ar­bei­ters dar­stellt.

ISABEL stellt einen Logik-Auto­ma­ten zur Ver­fü­gung, der aus der in Skript­form nie­der-geleg­ten Fach­lo­gik

  • die Bear­bei­tungs­ober­flä­che für den Arbeits­platz des Sach­be­ar­bei­ters gene­riert und dabei die logi­schen Zusam­men­hän­ge in einer intui­tiv ver­ständ­li­chen, dyna­mi­schen Navi­ga­ti­ons­hil­fe visua­li­siert;
  • den Anwen­dungs­dia­log mit dem Sach­be­ar­bei­ter auf Ein­hal­tung der in der Beschrei­bung nie­der­ge­leg­ten Regeln ein­schließ­lich der Bezie­hun­gen zwi­schen Ein­tra­gungs­ob­jek­ten über­wacht;
  • die Bear­bei­tungs­er­geb­nis­se in Form der gene­rier­ten Ein­tra­gungs­tex­te in WYSI­WYG-Umge­bung (Ein­le­ge­bo­gen) vor der elek­tro­ni­schen Unter­schrift zur Prü­fung zur Ver­fü­gung stellt.

Abge­run­det wird die Anwen­dung durch die Ein­bin­dung der Geschäfts­stel­len mit allen Mög­lich­kei­ten einer qua­li­fi­zier­ten Antrags­er­fas­sung, fer­ner mit ent­spre­chen­der Auto­ma­ti­ons­un­ter­stüt­zung im Bereich von Benach­rich­ti­gung, Kos­ten und Sta­tis­tik.

Dabei obliegt die Zustän­dig­keit für das Daten­mo­dell und die ISA­BEL-Werk­zeu­ge dem Soft­ware­her­stel­ler. Die Erstel­lung und Pfle­ge der Fach­lo­gik in Form der ent­spre­chen­den ISA­BEL-Skrip­te obliegt dage­gen der Jus­tiz; die­se kann selb­stän­dig Maß­nah­men zur Wei­ter­ent­wick­lung in eige­ner Zustän­dig­keit durch­füh­ren.