Pres­se­be­richt­erstat­tung

Bericht über den 9. Deut­schen EDV-Gerichts­tag 2000 vom 20. bis 22. Sep­tem­ber 2000 in Saar­brü­cken

Dr. Wolf­ram Vief­hu­es, Rich­ter am Amts­ge­richt
Amts­ge­richt Oberhausen/Oberlandesgericht Düs­sel­dorf

EDV-Gerichts­tag
im Zei­chen des Inter­nets und des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs

Der 9. EDV-Gerichts­tag, der vom 20.09.2000 bis 22.09.2000 in Saar­brü­cken statt­ge­fun­den hat, brach in die­sem Jahr alle Rekor­de. Weit über 500 Teil­neh­mer tra­fen sich zur Ver­an­stal­tung und besuch­ten eine umfas­sen­de Fach­mes­se in der Unter­neh­mens­be­gleit­aus­stel­lung, auf der über 40 Anbie­ter über ihre Pro­duk­te infor­mier­ten.

Bei der Grün­dung des EDV-Gerichts­tags wur­den die Teil­neh­mer noch viel­fach als Exo­ten belä­chelt – heu­te sind sie die „EDV-Pio­nie­re“, auf die die Jus­tiz setzt. So deut­lich mach­te es Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Her­ta Däub­ler-Gme­lin, als sie in ihrem beach­tens­wer­ten Fest­vor­trag zum The­ma Inter­net und elek­tro­ni­scher Rechts­ver­kehrdie Zuhö­rer auf­for­der­te, mit ihr auf eine Zeit­rei­se in das Jahr 2010 zu kom­men. Dort spielt der Fall des selb­stän­di­gen Hand­werks­meis­ters Mül­ler, der bei der Ome­ga GmbH per Inter­net ein Kal­ku­la­ti­ons­pro­gramm für sei­nen Betrieb kauft und elek­tro­nisch bezahlt. Nach­dem die Instal­la­ti­on des Pro­gramms nicht klappt, wen­det er sich per Inter­net an die Clea­ring­stel­le, deren Ver­mitt­lungs­ver­su­che aber schei­tern. Dann sucht und fin­det Herr Mül­ler auf der Home­page des zustän­di­gen Amts­ge­richts nach den für die­sen Fall ein­schlä­gi­gen und ver­ständ­lich for­mu­lier­ten Vor­schrif­ten. Nach­dem er sich so über sei­ne recht­li­che Situa­ti­on Klar­heit ver­schafft hat, wen­det er sich an Rechts­an­walt Dr. Ste­fan. Der Anwalt recher­chiert auf der Home­page des Bun­des­ge­richts­ho­fes und ande­rer Gerich­te nach Prä­ze­denz­fäl­len und wird auch fün­dig. Er ent­wirft eine Kla­ge­schrift, die er per e‑mail an das Gericht und zur Kennt­nis an sei­nen Man­dan­ten schickt. Beim Gericht wird aus der Kla­ge­schrift eine elek­tro­ni­sche Akte ange­legt und die Kla­ge der Beklag­ten elek­tro­nisch zuge­stellt. Der Gerichts­ter­min wird im Inter­net in Form einer vir­tu­el­len Ver­hand­lung durch­ge­führt. Hand­werks­meis­ter Mül­ler muß hier­für nicht einen Tag sei­nem Betrieb fern­blei­ben und u.U. zu einem weit ent­fern­ten Gericht rei­sen. Statt des­sen besich­tigt er wei­ter­hin sei­ne Bau­stel­len, nimmt jedoch sei­nen Lap­top – der über eine ein­ge­bau­te Kame­ra ver­fügt – mit und wählt sich ledig­lich zum Ter­mins­zeit­punkt ins Netz ein. Nach­dem der Eini­gungs­ver­such der zustän­di­gen Rich­te­rin schei­tert, ergeht ein Urteil, das per e‑mail zuge­stellt wird.

Die Minis­te­rin warf dann die Fra­ge auf, ob eine sol­che Ent­wick­lung denk­bar sei. Zwar habe das Inter­net eine rasan­te Ent­wick­lung durch­lau­fen, jedoch sei­en Kla­gen per Inter­net bis­lang noch nicht mög­lich. Beim Ein­satz von IT sei noch ein deut­li­cher Unter­schied zu öffent­li­cher Ver­wal­tung und Wirt­schaft zu erken­nen; die Jus­tiz müs­se erheb­li­chen Moder­ni­sie­rungs­be­darf auf­ho­len, wobei der Druck auf Moder­ni­sie­rung der­zeit noch über­wie­gend von außen kom­me.

Die neu­en Medi­en böten aber erheb­li­che Mög­lich­kei­ten für Recht und Jus­tiz. Dies zei­ge der Deut­sche EDV-Gerichts­tag, der anfangs als Tref­fen von Außen­sei­tern und Spe­zia­lis­ten ange­se­hen wor­den sei, sich inzwi­schen jedoch zu einer außer­or­dent­lich aner­kann­ten Insti­tu­ti­on ent­wi­ckelt habe.

Die Jus­tiz sol­le nach dem Wil­len von Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Her­ta Däub­ler-Gme­lin die Mög­lich­kei­ten moder­ner Com­pu­ter­tech­nik ver­stärkt zuguns­ten der Bür­ger nut­zen, um als Rechts­pfle­ge auch wei­ter­hin ihren rechts­staat­li­chen Auf­ga­ben nach­kom­men zu kön­nen. Sicher­lich sei­en die Ver­fah­ren auf die­se Wei­se zügi­ger abzu­wi­ckeln. Die Inter­net­nut­zung und die Geschwin­dig­keit sei aber kein Wert an sich; der Pro­zeß der Ent­schei­dung brau­che auch Zeit. Jedoch könn­ten lan­ge Post­we­ge und umständ­li­che Akten­ver­sen­dun­gen ver­mie­den wer­den, um aus­rei­chend Zeit für die Ent­schei­dung selbst zu schaf­fen. Dabei sei eine Moder­ni­sie­rung nötig, die weit über den blo­ßen Tech­nik­ein­satz hin­aus­ge­he. Hier müs­se man schnell begin­nen und beim Tem­po noch zule­gen. Ziel sei dabei, die grund­le­gen­den Auf­ga­ben der Jus­tiz auf Dau­er zu sichern und ihre Stel­lung zu stär­ken. Zugleich warn­te die Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin vor Gefah­ren: „Es darf nicht zu einer Spal­tung zwi­schen Gewin­nern und Ver­lie­rern der Moder­ni­sie­rung kom­men. Daher müs­sen wir die kon­ven­tio­nel­len Ver­fah­ren eben­so opti­mie­ren und zu den glei­chen Kos­ten zur Ver­fü­gung stel­len. Der Nut­zen für die Bür­ger ist stets zen­tra­les Kri­te­ri­um, an denen Vor­ha­ben zu mes­sen sind. “

Ver­än­dern müs­se sich schon der All­tag bei den Gerich­ten und in der Gesetz­ge­bung. Die Minis­te­rin nann­te dabei die fol­gen­den Ele­men­te der Moder­ni­sie­rung der Jus­tiz:

  • Moder­ni­sie­rung der Ver­fah­ren
  • klu­ger Ein­satz der Arbeits­kraft unse­rer enga­gier­ten Rich­te­rin­nen und Rich­ter in ihrer Kern­tä­tig­keit
  • Moder­ni­sie­rung der Geset­ze
  • Ein­füh­rung neu­er Tech­nik
  • Ver­stärk­te Aus- und Wei­ter­bil­dung in allen Berei­chen.

Begon­nen wer­den müs­se schon bei den jun­gen Juris­ten. Vor­bild sei hier das Saar­land, das bereits das Inter­net in die Juris­ten­aus­bil­dung auf­ge­nom­men habe. Die­se For­de­rung bezie­he sich aber auf die gesam­te Jus­tiz vom Rich­ter bis zur Schreib­kraft und müs­se sich auch auf die Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on erstre­cken. Die Minis­te­rin ver­deut­lich­te die noch bestehen­de Dis­kre­panz an der Figur des Geschäfts­stel­len­be­am­ten, den man im Jah­re 1890 ein­ge­fro­ren habe und der sich nach sei­nem Auf­tau­en 100 Jah­re spä­ter im Jah­re 1990 naht­los in die Geschäfts­ab­läu­fe eines Gerich­tes ein­fü­gen las­se.

Unver­kenn­bar sei heu­te, daß die Abwick­lung von Rechts­ge­schäf­ten im Inter­net auch völ­lig neue Anfor­de­run­gen an die Rich­te­rin­nen und Rich­ter nach sich zögen. So kön­ne unse­re Fir­ma im Bei­spiel der Zeit­rei­se in das Jahr 2010 eine Gesell­schaft nach iri­schem Recht mit Sitz in Dub­lin sein. Zu den­ken sei etwa auch an Wert­pa­pier­han­del im Inter­net, der meist nach dem Recht des US-Bun­des­staa­tes New York abge­wi­ckelt wer­de.

Die Ent­schei­dung des gemein­sa­men Sena­tes zum Com­pu­ter­fax zei­ge, daß die Recht­spre­chung auf neue Ent­wick­lun­gen reagie­ren kön­ne. Die gesam­te Last der Rechts­fort­bil­dung dür­fe aber nicht der Recht­spre­chung auf­ge­bür­det wer­den. Der Gesetz­ge­ber habe auf die­sem Gebiet bereits eine Rei­he von Akti­vi­tä­ten ent­fal­tet:

  • Das Gesetz zur Anpas­sung der Form­vor­schrif­ten im Rechts­ver­kehr, das die elek­tro­ni­sche Form für zuläs­sig erklär­te und auch den Online-Kla­ge­ein­gang bei Gericht ermög­lich­te.
    Dabei müss­ten die Län­der beschlie­ßen, ab wann dies für den Zugang zu den Gerich­ten gel­te. In Öster­reich sei man bereits deut­lich wei­ter. (Dort wur­de schon 1999 die elek­tro­ni­sche Kla­ge­er­he­bung ein­ge­führt mit der Fol­ge, daß 2/3 der jähr­lich erho­be­nen 800.000 Kla­gen elek­tro­nisch bei den Gerich­ten ein­ge­reicht wer­den).
    Bei den Deut­schen Bun­des­ge­rich­ten wol­le man auf den Erfah­run­gen des Pilot­pro­jek­tes zum elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Finanz­ge­richt Ham­burg auf­bau­en.
  • Das Signa­tur­ge­setz, das die Sicher­heit des elek­tro­ni­scher Rechts­ver­kehrs gewähr­leis­ten sol­le.
  • Das Zustel­lungs­ge­setz, mit dem die Zustel­lun­gen per e‑mail ermög­licht wür­den.
  • Die elek­tro­ni­sche Füh­rung des Han­dels­re­gis­ters und sei­ne elek­tro­ni­sche Nut­zung, für das die erfor­der­li­chen Ände­run­gen des Han­dels­rech­tes zeit­ge­recht vor­ge­legt wür­den. Ent­spre­chen­de Ver­fah­ren müss­ten in Zukunft für sämt­li­che öffent­li­che Ver­zeich­nis­se wie Ver­eins­re­gis­ter, Genos­sen­schafts­re­gis­ter, Part­ner­schafts­re­gis­ter gel­ten.
  • Das elek­tro­ni­sche Grund­buch ein­schließ­lich des elek­tro­ni­schen Abru­fes; hier sei für die wei­te­re Ent­wick­lung die Ände­rung des Beur­kun­dungs­rechts und der Ver­zicht auf die Grund­ak­ten in Papier­form erfor­der­lich. Schon jetzt kön­ne bei­spiels­wei­se der Kre­dit­be­ra­ter eines Geld­in­sti­tuts in vie­len Bun­des­län­dern einen Grund­buch­aus­zug per Maus­klick auf­ru­fen, wenn der ihm gegen­über sit­zen­de Kun­de das Grund­stück mit einer Hypo­thek belas­ten möch­te.
  • Elek­tro­ni­sche Schuld­ner­ver­zeich­nis­se zur Erleich­te­rung und Ver­ein­fa­chung der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung im Bereich der Zwangs­voll­stre­ckung.
  • Bei der Ver­brau­cher­insol­venz sol­le – eben­falls nach öster­rei­chi­schem Vor­bild – der Zugang erleich­tert wer­den; auch könn­ten hier die Kos­ten durch Ände­rung des Zustel­lungs­ver­fah­rens gesenkt wer­den.

Mit dem elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr wol­le man die Mög­lich­kei­ten für eine zeit­ge­mä­ße Rechts­pfle­ge nut­zen, ohne jedoch alles ver­bind­lich auf einen elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr zu kon­zen­trie­ren. Daher müs­se die Pla­nung und Dis­kus­si­on der Gesetz­ge­bung außer­or­dent­lich sorg­fäl­tig erfol­gen. Es sei aller­dings Zeit für ein bereichs­spe­zi­fi­sches Gesamt­kon­zept, denn die Umset­zung des papier­ge­bun­de­nen Ver­fah­rens 1:1 auf den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr gebe kei­nen Sinn. „Wir müs­sen jede Mög­lich­keit nut­zen, um die Rich­ter für ihre eigent­li­che Auf­ga­be zu ent­las­ten, näm­lich Strei­tig­kei­ten zu schlich­ten oder zu ent­schei­den.“ Die Belas­tung der Gerich­te wer­de eher noch zuneh­men, etwa durch euro­päi­sches Recht und den grenz­über­grei­fen­den Han­del, „da brau­chen wir äußerst effi­zi­en­te Arbeits­ab­läu­fe. Die­se hel­fen den Recht­su­chen­den nicht nur, weil sie zügi­ge Ver­fah­ren sichern; sie soll­ten auch die Schrit­te für die Bür­ger ver­ein­fa­chen.“

In die­sem Kon­zept kom­me der Her­stel­lung von Stan­dards obers­te Prio­ri­tät zu. Ange­sichts der glo­ba­len Ver­pflech­tun­gen müs­se dabei aber berück­sich­tigt wer­den, was sich um uns her­um tue. Die EU-Richt­li­nie zum e‑commerce zwin­ge dazu, mate­ri­el­les Recht mit Ver­fah­rens­recht zu ver­knüp­fen. Die Funk­ti­on des e‑commerce set­ze auf der mate­ri­el­len Sei­te Rechts­si­cher­heit für den Anbie­ter und Schutz des Ver­brau­chers vor­aus. Das Pro­blem des Her­kunfts­lands­prin­zips erfor­de­re zumin­dest im EG-Bereich eine Min­dest­har­mo­ni­sie­rung, um eine risi­ko­lo­se Bestel­lung per e‑mail zu ermög­li­chen. Die Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin: „Der Han­del im Inter­net wird für immer mehr Men­schen zur Nor­ma­li­tät. Sowohl die grenz­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit als auch die Nut­zung der tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten soll­ten auch für die Jus­tiz zur Selbst­ver­ständ­lich­keit wer­den, wenn es bei­spiels­wei­se zu einem Rechts­streit wegen des Han­dels kommt. Dazu gehö­ren schon bald ein­heit­li­che euro­päi­sche Rechts-Stan­dards, die Online-Kla­ge und die zügi­ge elek­tro­ni­sche Infor­ma­ti­ons­über­mitt­lung aller am Ver­fah­ren Betei­lig­ten.“

Das Inter­net bie­te auch einen Zuge­winn an Demo­kra­tie, da sich die Men­schen bereits in einem sehr frü­hen Sta­di­um an der Gesetz­ge­bung betei­li­gen könn­ten. Dies wer­de bei den Ver­än­de­run­gen auf der Home­page des BMJ deut­lich, die ver­stärkt infor­mie­re und zur Mit­dis­kus­si­on bei Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren auf­for­de­re. Die so bewußt her­vor­ge­ru­fe­nen zahl­rei­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ein­gän­ge beim BMJ stell­ten inzwi­schen eine wich­ti­ge Ergän­zung dar zu den Stel­lung­nah­men der offi­zi­el­len betei­lig­ten Län­der und Ver­bän­de. Der Aktua­li­tä­ten­dienst des BMJ sol­le wei­ter aus­ge­dehnt wer­den. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt stel­le mit sei­ner Dar­stel­lung und Recht­spre­chung im Inter­net ein Vor­bild dar für alle Gerich­te.

Sicher­lich sei dies eine schö­ne Zukunfts­mu­sik und die rea­len Zustän­de meist anders. Es gebe noch viel zu tun, und man brau­che noch vie­le EDV-Gerichts­ta­ge für wei­te­re Anstö­ße und kom­pe­ten­te Bera­tung. Aber es sei unver­kenn­bar, daß sich etwas ände­re. Die Minis­te­rin schloß ihren Vor­trag unter dem Bei­fall der Zuhö­rer mit dem Vor­schlag, die EDV-Pio­nie­re und die­je­ni­gen, die umge­hen mit der moder­nen Tech­nik, zum Nor­mal­fall zu erklä­ren.

In den anschlie­ßen­den Arbeits­krei­sen des EDV-Gerichts­tags 2000 konn­ten sich die Teil­neh­mer mit unter­schied­lichs­ten Facet­ten des The­mas beschäf­ti­gen.

So befaß­te sich auch der Arbeits­kreis der Bund-Län­der-Kom­mis­si­on für Daten­ver­ar­bei­tung vor­ran­gig mit dem The­maelek­tro­ni­scher Rechts­ver­kehr. Im Ein­füh­rungs­re­fe­rat wur­de über die Arbei­ten der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tun­gen berich­tet, die die­se nach dem Beschluß der 70.Justizministerkonferenz unter­nom­men haben.

Der Feld­ver­such zum elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs beim Finanz­ge­richt Ham­burg wur­de vor­ge­stellt. Dort wird seit August 1999 im Zusam­men­wir­ken mit Steu­er­be­ra­tern und Anwäl­ten sowie der Finanz­ver­wal­tung in einem Teil der Ver­fah­ren der bis­her schrift­li­che Ver­kehr mit den Betei­lig­ten papier­los, also per e‑mail durch­ge­führt. Infor­miert wur­de außer­dem über die Pro­jek­te ver­schie­de­ner Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tun­gen zum elek­tro­ni­schen Han­dels­re­gis­ter und zum elek­tro­ni­schen Grund­buch.

In wei­te­ren Ver­an­stal­tun­gen die­ses Arbeits­krei­ses wur­den ver­schie­de­ne Ent­wick­lun­gen aus den Bun­des­län­dern prä­sen­tiert wie das in Ber­lin lau­fen­de Ver­fah­ren JUKOS (Voll­stre­ckung bei den Staats­an­walt­schaf­ten) und das in der Ent­wick­lung befind­li­che Ver­fah­ren JUDICA aus Nord­rhein-West­fa­len, das ein­heit­li­che Daten­bank­fach­sys­tem für die Berei­che Zivil‑, Fami­li­en- und Straf­ge­richts­bar­keit und alle Instan­zen vom Amts­ge­richt bis zum Ober­lan­des­ge­richt.

Auf beson­de­res Inter­es­se stieß auch die Prä­sen­ta­ti­on von Inter­net-Auf­trit­ten der Lan­des­jus­tiz­ver­wal­tun­gen und ver­schie­de­ner Gerich­te, wie z.B. das Teil­pro­jekt JVV-Online, mit dem alle Jus­tiz­ver­wal­tungs­vor­schif­ten nun­mehr im Intra­net des Lan­des NRW Online bereit­ge­stellt wer­den kön­nen.

Der Arbeits­kreis Jus­tiz im Inter­net befaß­te sich mit inhalt­li­chen Anfor­de­run­gen an die Inter­net­prä­sen­ta­ti­on von Gerich­ten aus Sicht der Nut­zer und den Erwar­tun­gen, die ins­be­son­de­re aus dem Krei­se der Anwalt­schaft an eine gericht­li­che Home­page gestellt wer­den.

Daß das Inter­net nicht nur von recht­streu­en Bür­gern auf­ge­sucht wird, son­dern auch Tum­mel­platz kri­mi­nel­ler Akti­vi­tä­ten ist, hat sich ja bereits her­um­ge­spro­chen. In die­sem Jahr war ein beson­de­res Betä­ti­gungs­feld Gegen­stand eines Arbeits­krei­ses, näm­lich die Bör­sen­kri­mi­na­li­tät im Inter­net. Die ver­stärk­te Nut­zung des Inter­nets zu Bör­sen­ge­schäf­ten und die Mög­lich­keit, mit Hil­fe des Inter­nets und der dar­in ver­brei­te­ten Infor­ma­tio­nen Bör­sen­kur­se zu mani­pu­lie­ren, füh­ren zu neu­en Kri­mi­na­li­täts­for­men, über deren For­men und Bekämp­fung der Arbeits­kreis infor­mier­te.

Wich­tigs­te Vor­aus­set­zung für einen funk­tio­nie­ren­den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr ist die Siche­rung der Infor­ma­ti­ons­we­ge vom Urhe­ber bis zum Emp­fän­ger. Den recht­li­chen Rah­men hier­für bie­tet das Signa­tur­ge­setz. Rein prak­tisch ist aber die Fra­ge zu beant­wor­ten, wie man sei­nen PC und damit sei­nen Signa­tur­schlüs­sel vor dem Zugriff unbe­fug­ter Nut­zer schüt­zen kann. Hier wer­den neben dem Schutz über Pass­wort und PIN ver­stärkt bio­me­tri­sche Iden­ti­fi­ka­ti­ons­sys­te­me ange­bo­ten, die z.B. auf den mensch­li­chen Fin­ger­ab­druck, die Iris oder dyna­mi­sche Unter­schrift­s­prü­fun­gen abstel­len. Der Arbeits­kreis Authen­ti­fi­ka­ti­on berich­te­te über eine ver­glei­chen­de Unter­su­chung bio­me­tri­scher Iden­ti­fi­ka­ti­ons­sys­te­me durch das Bun­des­kri­mi­nal­amt und tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten, bio­me­tri­sche Daten und den Signa­tur­schlüs­sel geschützt in einer Smart-Card zu spei­chern.

Die Arbeits­grup­pe „Anwalts­soft­ware“ setz­te die im letz­ten Jahr begon­ne­ne Dis­kus­si­on des The­men­kom­ple­xes der Fris­ten und Ter­mi­ne in Anwalts­pro­gram­men fort.

Unter dem The­ma „XML für juris­ti­sche Tex­te“ erör­ter­ten Tagungs­teil­neh­mer die Mög­lich­kei­ten, aus stark struk­tu­rier­ten Tex­ten die ent­hal­te­nen Struk­tur­in­for­ma­tio­nen bei der elek­tro­ni­schen Bear­bei­tung und Dar­stel­lung zu über­neh­men und beim Daten­aus­tausch wei­ter­zu­ge­ben. XML (Exten­si­ble Mark­up Language) stellt hier ein Daten­for­mat dar, das die Abbil­dung des Struk­tur eines Doku­ments erlaubt.

Die in die­sem Jahr bis auf den letz­ten Win­kel des Gebäu­des aus­ge­buch­te Unter­neh­mens­aus­stel­lung mach­te deut­lich, wel­che Bedeu­tung der EDV-Gerichts­tag inzwi­schen auch für die Fach­welt erlangt hat. Von den elek­tro­ni­schen Pro­duk­ten der Fach­ver­la­ge über Jus­tiz­soft­ware­pro­gram­me, Anwalts­soft­ware, EDV-Bera­tungs­leis­tun­gen und IT-Sicher­heits­pro­duk­te bis hin zu einem Pro­gramm, das voll­au­to­ma­tisch gericht­li­che Ent­schei­dun­gen anony­mi­siert, wur­de auf die­ser klei­nen Fach­mes­se so ziem­lich alles dar­ge­bo­ten, wor­über man an den Schnitt­stel­len der Infor­ma­ti­ons­tech­nik zum Recht infor­miert sein muß.

Nicht ver­schwie­gen wer­den soll, daß die Teil­neh­mer sich am Eröff­nungs­abend wie­der der tra­di­tio­nel­len Gast­freund­schaft der juris GmbH erfreu­en konn­ten, die mit Geträn­ken, Spei­sen und musi­ka­li­scher Unter­ma­lung einen pas­sen­den Rah­men für das ers­te infor­mel­le Zusam­men­tref­fen gebo­ten hat.

Der nächs­te EDV-Gerichts­tag wird vom 19.bis 21.09.2001 in Saar­brü­cken unter dem The­ma „EDV-Gerichts­tag inter­na­tio­nal“ statt­fin­den. Die Geschäfts­stel­le des EDV-Gerichts­ta­ges ist erreich­bar unter Tel. 0681 302 3150. Inter­net-Adres­se www.edvgt.de.