Bund-Länder-Kommission III

Neue Textsys­teme in der Jus­tiz

Zeit: Fre­itag, 26. Sep­tem­ber 2003, 9.00 Uhr
Ort: HS 111
Ref­er­enten: Herr Regierungs­di­rek­tor Ehrmann, Jus­tizmin­is­teri­um Baden-Würt­tem­berg
Herr Richter am Ober­lan­des­gericht Dim­beck
Herr Richter am Ober­lan­des­gericht Schmitt
Doku­mente: Pro­tokoll

Herr Regierungs­di­rek­tor Ehrmann,
Jus­tizmin­is­teri­um Baden-Würt­tem­berg

- Prinzip­i­en der Funk­tion­sweise
— Textsys­tem JUSTUS

Die Soft­warearchitek­tur Jus­tiz Baden-Würt­tem­berg hat, wie entsprechende Rah­menkonzepte in anderen Lan­desjus­tizver­wal­tun­gen auch, zum Ziel, den IuK-Ein­satz durch Stan­dar­d­isierung zu vere­in­heitlichen und — mit­tel- und langfristig — unwirtschaftliche Abhängigkeit­en möglichst zu ver­mei­den. Wei­thin durchge­set­zt hat sich inzwis­chen XML/XSL als stan­dar­d­isiertes und her­stellerun­ab­hängiges Textfor­mat. Der Vorteil von XML/XSL, als her­stellerun­ab­hängigem For­mat weniger ein­er raschen Ver­sion­sän­derung zu unter­liegen, wiegt im Hin­blick auf die mit Ein­führung des elek­tro­n­is­chen Rechtsverkehrs anste­hende Real­isierung der elek­tro­n­is­chen Akte immer schw­er­er. Hinzu kommt, dass in XML/XSL keine undoku­men­tierten — weil pro­pri­etären — Inhalte vor­liegen kön­nen.

Eine wesentlich­er Teil der Arbeit der Jus­tiz mün­det in Text.

Die all­ge­meinen Anforderun­gen an ein Textsys­tem (das die Gener­ierung der Doku­mentvor­la­gen, deren Pflege, und die Erstel­lung der konkreten Textdoku­mente umfasst) im Span­nungs­feld der Anforderun­gen durch die Prax­is und der Stan­dar­d­isierungsvor­gabe in der Soft­warearchitek­tur Jus­tiz (und den IuK-Rah­menkonzepten ander­er Lan­desjus­tizver­wal­tun­gen) wer­den dargestellt.

Texte in JUSTUS wer­den in XML/XSL gener­iert. Die Doku­mentvor­la­gen wer­den in XML/XSL durch geschultes Jus­tizper­son­al mit Hil­fe des Textgen­er­a­tors JUSTUS, der am Beispiel vorgestellt wird, erstellt. Die Nutzung von XML/XSL per se garantiert die angestrebte Liefer­an­te­nun­ab­hängigkeit und langfristige Ver­wend­barkeit (Archivier­barkeit) nicht; auch mit XML und XSL kön­nen pro­pri­etäre Struk­turen erzeugt wer­den. XML muss sachgerecht angewen­det wer­den. Die JUSTUS zugrunde liegende XML-Philoso­phie wird anhand des Text-Gen­er­a­tors JUSTUS kurz erläutert.

 

Herr Richter am Ober­lan­des­gericht Dim­beck

- Textsys­tem Forum­STAR

ForumSTARtext ist ein Werkzeug zur Erzeu­gung aller in der Jus­tiz benötigten Texte. Real­isiert in Java, ver­wen­det es XML (in Uni­code UTF8-Codierung) sowohl als Date­naus­tausch- als auch als Doku­menten­for­mat und ist somit völ­lig plat­tfor­munab­hängig. Es enthält einen eige­nen Edi­tor mit den wesentlichen Funk­tio­nen, die für eine mod­erne Tex­terzeu­gung erforder­lich sind (Tabellen, Schrif­tarten und ‑größen, ver­schiedene Kopf- und Fußzeilen (erste Seite, let­zte Seite, ger­ade Seit­en, unger­ade Seit­en), Ein­fü­gen von Grafiken, Tab­u­la­toren — auch dez­i­mal usw.). Das Textsys­tem ist gle­ichzeit­ig eine kom­fort­able dialogges­teuerte Entwick­lung­sumge­bung zur Erzeu­gung der Textmod­ule (For­mu­la­re und Bausteine), die eine hohe Automa­tisierung der Tex­terzeu­gung ermöglichen. Neben Kon­troll­struk­turen (Schleifen, Bedin­gun­gen) und zahlre­ichen Funk­tio­nen (math­e­ma­tis­che, String‑, Lis­ten und Datums­funk­tio­nen) bietet es auch spezielle Kon­struk­te zur Nach­bil­dung der üblichen Ver­fü­gung­stech­nik, wie z.B. automa­tis­che Erzeu­gung von Folge­doku­menten aus dem Ver­fü­gungs­for­mu­lar — auch mit serien­briefähn­lich­er automa­tis­ch­er Daten­fül­lung — und ein flex­i­bles Wieder­vor­lage­mod­ul sowie den steuer­baren Abruf von weit­eren Fachver­fahrens­dat­en und deren kon­fig­urier­bare Rückschrei­bung. Weit­ere Soft­ware oder Lizen­zen wer­den nicht benötigt.

 

Herr Richter am Ober­lan­des­gericht Schmitt

- Textsys­tem JUDICA/TSJ

Das Textsys­tem Jus­tiz unter­stützt alle Arbeit­splätze in den Zivil‑, Fam­i­lien- und Strafabteilun­gen der Amts‑, Land- und Ober­lan­des­gerichte.

Das “Textsys­tem Jus­tiz”

  • stellt darüber hin­aus dem Anwen­der benutzer­spez­i­fis­che For­mu­la­rsamm­lun­gen in elek­tro­n­is­ch­er Form zur Ver­fü­gung und unter­stützt damit die Ver­fü­gungstätigkeit der Rich­terin­nen und Richter, der Recht­spflegerin­nen und Recht­spfleger sowie der Ser­vicekräfte auf automa­tisiertem Wege,
  • bietet die Möglichkeit der automa­tis­chen, schreibtech­nis­chen Erledi­gung der Ver­fü­gun­gen, d.h. es wer­den nicht nur Aus­drucke erstellt, son­dern das Sys­tem “erken­nt” die einzel­nen Ver­fü­gungspunk­te und fer­tigt beispiel­sweise auch Wegbeschrei­bun­gen, beizufü­gende Abschriften oder Zustel­lung­surkun­den,
  • erlaubt die Erstel­lung von Rein­schriften durch Aus­führen der elek­tro­n­is­chen Ver­fü­gung aus dem Textsys­tem Jus­tiz III oder unmit­tel­bar aus dem Fach­sys­tem JUDICA mit Hil­fe des TSJ-Direkt,
  • erlaubt die Gener­ierung von ver­fahrens­stands­be­zo­ge­nen Ver­fü­gungsvorschlä­gen,
  • ver­set­zt den Anwen­der in die Lage, eigene For­mu­la­re zu erstellen und vorhan­dene For­mu­la­re auf seine indi­vidu­elle Arbeitsweise anzu­passen,
  • ermöglicht eine kom­fort­able Bear­beitung der Ver­fü­gung sowohl über eine Stan­dar­d­an­sicht als auch über eine Bau­man­sicht (Tree View) und
  • gewährleis­tet die Ver­wend­barkeit des Kerns der Anwen­dung für weit­ere Fach­bere­iche.