EDV-Pro­jek­te in Schief­la­ge

Zeit: Don­ners­tag, 25. Sep­tem­ber 2003, 15.00 Uhr
Ort: HS 118
Mode­ra­ti­on: Herr EDV-SVDr. Sieg­fried Streitz
Herr RA Dr. Vol­ker Nil­kens
Refe­rent: Herr EDV-SV Dr. Peter Hop­pen
Doku­men­te: Pro­to­koll

Das zeit‑, ter­min- und kos­ten­ge­recht durch­ge­führ­te EDV-Pro­jekt ist die gro­ße Aus­nah­me. Vie­le Vor­ha­ben schei­tern völ­lig, bei der über­wie­gen­den Zahl der Pro­jek­te stei­gen die Kos­ten, wer­den die Ter­mi­ne über­schrit­ten oder muss mit erheb­lich höhe­rem Per­so­nal­auf­wand zur Errei­chung der Zie­le gerech­net wer­den. Nicht immer wer­den ein­ver­nehm­li­che Lösun­gen gefun­den; gera­de in wirt­schaft­lich schwie­ri­ge­ren Zei­ten steigt die Kon­flikt­be­reit­schaft.

Auch der Tätig­keits­be­reich von EDV-Sach­ver­stän­di­gen beschränkt sich nicht mehr allein auf die blo­ße Feh­ler­fest­stel­lung mit Klä­rung der Ursa­che, son­dern erwei­tert sich auf über­ge­ord­ne­te Fra­ge­stel­lun­gen. Was war die Ursa­che für das Schei­tern des Pro­jek­tes? Sind die Bei­stel­lun­gen des Auf­trag­ge­bers sach- und zeit­ge­recht erbracht wor­den? Gab es nicht vorhersehbare/unüberwindbare tech­ni­sche Schwie­rig­kei­ten? Wur­den die ver­ein­bar­ten Regeln zur Pro­jekt­orga­ni­sa­ti­on und ‑kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ge­hal­ten? Hat der Auf­trag­neh­mer recht­zei­tig und aus­rei­chend über Risi­ken auf­ge­klärt? – Die­se exem­pla­risch her­aus­ge­grif­fe­nen Fra­ge­stel­lun­gen sol­len skiz­zie­ren, wel­che Fra­ge­stel­lun­gen bei der Beur­tei­lung von EDV-Pro­jek­ten bear­bei­tet wer­den müs­sen.

Zu Beginn wird der Sach­ver­stän­di­ge Dr. Hop­pen eine Ein­füh­rung über IT-Pro­jek­te in der Sach­ver­stän­di­gen­pra­xis geben. Er beschreibt den typi­schen Ablauf einer Begut­ach­tung mit Bestim­mung des Soll-Zustan­des, Fest­stel­lung des Ist-Zustan­des und der Bewer­tung von Abwei­chun­gen. Bei­spiel­haft ver­deut­licht Dr. Hop­pen die Merk­ma­le einer Schief­la­ge.

Im Anschluss wird sich Rechts­an­walt Dr. Vol­ker Nil­gens mit den recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen für EDV-Pro­jek­te beschäf­ti­gen. Gera­de bei der Beur­tei­lung des Pro­jekt­sta­tus ist es für EDV-Sach­ver­stän­di­ge wesent­lich, von wel­chen recht­li­chen Aus­gangs­sach­ver­hal­ten sie aus­zu­ge­hen haben. Ins­be­son­de­re bei feh­len­den ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen muss der gewöhn­li­che Gebrauch und damit die Ver­kehrs­üb­lich­keit bestimmt wer­den. Dr. Nil­gens wird sich daher mit den Fol­gen der Schuld­rechts­re­form und ihren Aus­wir­kun­gen auf die Gestal­tung von Pro­jekt­ver­trä­gen aus­ein­an­der­set­zen und mög­li­che Ver­än­de­run­gen auf­zei­gen.

Zuletzt wird der EDV-Sach­ver­stän­di­ge Dr. Streitz über Früh­warn­sys­te­me refe­rie­ren, die Schief­la­gen mög­lichst früh­zei­tig erken­nen las­sen. Ein wesent­li­cher Aspekt ist dabei die Beherr­schung der Risi­ken, die für Auf­trag­ge­ber und Auf­trag­neh­mer bestehen. Er wird Sanie­rungs­mög­lich­kei­ten und Alter­na­ti­ven wie Schieds­ver­ein­ba­run­gen, Media­ti­on, strei­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung gegen­über­stel­len und Vor- und Nach­tei­le abwä­gen.

Der­zeit ist kei­ne Stra­te­gie bekannt, die mehr oder weni­ger sicher den Pro­jekt­er­folg garan­tiert. Daher ist beglei­tend zu den Refe­ra­ten ein brei­ter Dis­kus­si­ons­raum vor­ge­se­hen, bei dem Teil­neh­mer und Refe­ren­ten per­sön­li­che Erfah­run­gen aus­tau­schen und Erfolg-ver­spre­chen­de Ansät­ze im ein­zel­nen bespre­chen kön­nen.