Alter­na­tive Platt­for­men

Zeit: Frei­tag, 17. Sep­tem­ber 2004, 9.00 Uhr
Ort: HS 117
Mode­ra­tion: Herr Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Dr. Maxi­mi­lian Her­ber­ger
Refe­ren­ten: Herr Lau­rent Meis­ter
Doku­mente: Ankün­di­gungPro­to­koll

Mac­in­tosh – Des Anwalts Lieb­ling?

Der Mac im juris­ti­schen All­tag. Eine Bestands­auf­nahme:

Ein Blick auf den Com­pu­ter­markt und die weit­ver­brei­tete These wird bestä­tigt: Der Apple Mac­in­tosh ist ein Nischen­pro­dukt. Zwar stei­gen die Ver­kaufs­zah­len von Apple in den letz­ten Jah­ren etwas, doch gerade im juris­ti­schen All­tag begeg­net man Macs nur in außer­ge­wöhn­lich sel­te­nen Fäl­len. Stellt sich die Frage, warum dies so ist. Sind Macs für die­sen Gebrauch unge­eig­net gar inkom­pa­ti­bel? Oder bie­tet Apples Hard- und Soft­ware nicht die nötige Sicher­heit, auf die gerade bei der juris­ti­schen Arbeit wert­ge­legt wird? Eine all­ge­mein­gül­tige Ant­wort auf diese Fra­gen ist wegen der unter­schied­lichs­ten Ansprü­che nicht mög­lich, die­ser Bei­trag soll jedoch einen Ansatz bie­ten.

Die Hard­ware

Wer für seine Arbeit auf Apple setzt, trifft eine grund­le­gende Ent­schei­dung, denn im Gegen­satz zu ande­ren Alter­na­ti­ven – wie die Arbeit mit Linux – setzt Apple auf die Kom­bi­na­tion von Hard- und Soft­ware. Wer einen Mac­in­tosh kauft, kann dar­auf ver­trauen, daß das Sys­tem auf sei­nen Rech­ner per­fekt abge­stimmt ist. Hard­ware­kon­flikte sind damit in der Regel aus­ge­schlos­sen. Der in Cuper­tino ansä­ßige Her­stel­ler ist dafür bekannt, nicht ein­fach graue lär­mende Kis­ten, son­dern Com­pu­ter mit moderns­ter Tech­nik und anspre­chen­dem Design zu ent­wi­ckeln. In den letz­ten 2 Jah­ren hat Apple seine Pro­dukt­pa­lette ver­voll­stän­digt und bie­tet nun vom ver­brau­cher­ori­en­tier­ten Rech­ner über diverse Note­books bis zur kom­plet­ten Ser­ver­lö­sung Hard­ware an. So kann jede Hard­ware­an­for­de­rung von einem Ein­zel­rech­ner (des Jura­stu­den­ten) bis zum Kanz­lei­netz­werk mit eige­nem Ser­ver erfüllt wer­den mit dem ent­schei­den­den Vor­teil, daß die ein­zel­nen Geräte opti­mal auf­ein­an­der abge­stimmt sind.

Mac OS X – Das Betriebs­sys­tem

Das Betriebs­sys­tem trägt inzwi­schen den Titel Mac OS X und liegt in sei­ner drit­ten Ver­sion vor. Mit der Ent­wick­lung von Mac OS X hat Apple sich von sei­nem klas­si­schen Sys­tem der letz­ten Jahr­zehnte ver­ab­schie­det, denn das neue Sys­tem basiert nun­mehr auf dem Unix- Ker­nel Dar­win. Damit wurde die Bedie­nungs­freund­lich­keit des klas­si­schen Mac OS mit dem leis­tungs­star­ken und sta­bi­len Unix ver­bun­den. Mac OS X unter­stützt dadurch vie­ler­lei offene Tech­no­lo­gien und Stan­dards, was eine ein­fa­che Kom­mu­ni­ka­tion mit ande­ren Rech­nern in gemisch­ten Netz­wer­ken ermög­licht. Der Uni­x­un­ter­bau garan­tiert ein sehr sta­bi­les Sys­tem, das Abstürze zur Rari­tät macht und damit ein unge­stör­tes und rei­bungs­lo­ses Arbei­ten ermög­licht. Durch seine ein­zig­ar­tige Kom­bi­na­tion von Unix und dar­auf auf­bau­en­den Frame­works bzw. mac-typischen Sys­tem­pro­gram­men erreicht OS X auch einen hohen Sicher­heits­stan­dard. Die in der Win­dows­welt gefürch­te­ten Wür­mer und Viren enden beim Mac­in­tosh in einer Sack­gasse und fin­den der­zeit kei­ner­lei Angriffs­flä­che. Die Gefahr eines Hacker­an­griffs durch Aus­nut­zung von Sicher­heits­lü­cken ist gera­dezu mini­mal. Trotz­dem beinhal­tet Mac OS X eine sehr aus­ge­reifte Fire­wall, die mit eini­gen Ein­stell­mög­lich­kei­ten gewünschte Dienste frei­schal­ten kann. Des wei­te­ren wer­den die Nut­zer in regel­mä­ßi­gen Abstän­den mit kos­ten­lo­sen Sys­tem­up­dates ver­sorgt. Trotz Inter­net­an­bin­dung bleibt so der Zugriff von außen auf bri­sante Daten allein durch das Sys­tem siche­rer, als bei manch einem Win­dows­rech­ner mit zusätz­li­chen Viren­pro­gram­men und Fire­walls. Nach der inten­si­ven Ent­wick­lung des neuen Sys­tem­auf­baus hat die Soft­ware­ab­tei­lung im letz­ten Jahr ihr Augen­merk auf die Ver­ein­fa­chung von Arbeits­ab­läu­fen gelegt. So ist Mac OS X das erste Betriebs­sys­tem, das neben Dru­cken auch ein sys­tem­wei­tes (und damit Pro­gramm unab­hän­gi­ges) PDF-Erstellen und Faxen ermög­licht. Zur Zeit arbei­tet Apple an der Ent­wick­lung eines Meta­da­ten­sys­tems um kryp­ti­schen Datei­na­men und ver­schach­tel­ten Ord­nern ein Ende zu set­zen und so die Suche nach den ent­spre­chen­den Doku­men­ten mit­tels weni­ger Such- oder Schlag­wör­ter (Akten­zei­chen z.B.) ver­ein­facht und beschleu­nigt.

Anwen­dungs­soft­ware

Die im juris­ti­schen All­tag meis­t­ein­ge­setz­ten Anwen­dungs­pro­gramme dürf­ten ein Schreib­pro­gramm, ein Orga­ni­ser und ein Mail­cli­ent sein. Wie es z.B. der Anwalts­be­ruf mit sich bringt, wer­den täg­lich jede Menge Doku­mente erstellt, emp­fan­gen und ver­sandt. Diese sind in aller Regel mit Micro­soft Word erstellt wor­den. Eine umständ­li­che Kon­ver­tie­rung des Word­for­mats um die Les­bar­keit auf dem Mac zu errei­chen, wäre ein uner­träg­li­cher Arbeits­auf­wand und schreckt viele Anwen­der ab. An die­ser Stelle trennt sich jedoch die Spreu vom Wei­zen. Wäh­rend man unter Linux oder Unix auf Pro­gramme wie Open­Of­fice zurück­grei­fen muß und Kon­ver­tie­rungs­pro­bleme dabei immer noch nicht aus­zu­schlie­ßen sind, hat der Mac-User einen kla­ren Vor­teil: Micro­soft Office 2004 für Mac­in­tosh. Trotz der ursprüng­li­chen (und andau­ern­den Riva­li­tät) zwi­schen Apple und Micro­soft beschäf­tigt der Soft­ware­gi­gant aus Red­mond eine Ent­wick­ler­ab­tei­lung die eine eigene Office Ver­sion für den Mac her­stel­len. Micro­soft selbst garan­tiert also für einen rei­bungs­lo­sen Aus­tausch zwi­schen Word-Dokumenten einer Win­dows­ver­sion und dem Mac. Mit der neuen Ver­sion Office 2004 haben nam­hafte Com­pu­ter­zeit­schrif­ten Micro­soft exzel­lente Arbeit attes­tiert und gehen sogar soweit, daß sie der Mac­ver­sion bes­sere Bewer­tun­gen geben als dem erfolg­rei­chen Office XP. Alter­na­tiv zur Arbeit mit Word blei­ben auch beim Mac die übli­chen Alter­na­ti­ven wie Open­Of­fice und LaTeX. Für län­gere wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten emp­fiehlt sich der Ein­satz von LaTeX mit sei­ner eigens für juris­ti­sche Aus­fer­ti­gun­gen pro­gram­mier­ten jura.cls Klasse und der juris­ti­schen Biblio­gra­phie jura­bib.

Aber mit einem siche­ren Sys­tem und guten Schreib­pro­gram­men sind die Anfor­de­run­gen an die Com­pu­ter einer Anwalts­kanz­lei zum Bei­spiel noch nicht erfüllt. Es bedarf noch einer spe­zi­el­len Soft­ware zur Auf­be­wah­rung und Ord­nung von Ver­trä­gen und Akten. Hier ist die Aus­wahl im Gegen­satz zu Win­dows deut­lich gerin­ger. für den deut­schen Markt gibt es zwei Lösun­gen, die mit dem neuen Mac OS X zusam­men­ar­bei­ten. Dies sind legal:office (http://www.eunomitec.de) und Syn­di­kus (http://www.syndikus.de). Test­ver­sio­nen kön­nen jeweils über ein Kon­takt­for­mu­lar ange­for­dert wer­den.

End­be­stand

Abschre­ckend mag für manch einen viel­leicht der höhere Anschaf­fungs­preis sein, doch neben dem auf­fal­len­den und futu­ris­ti­schen Design wer­den die Fol­ge­kos­ten für Admi­nis­tra­tion und War­tung deut­lich gerin­ger aus­fal­len, als bei den grauen „DOSen“ mit ihrem anfäl­li­gen Win­dows­sys­tem. Die Admi­nis­tra­tion eines Macs ist mit weni­gen Klicks getan und durch die geringe Anfäl­lig­keit durch Viren und Tro­ja­ner muß dort auch nicht stän­dig nach­ge­bes­sert wer­den. Soll­ten trotz­dem ein­mal Pro­bleme auf­tau­chen, kann selbst der uner­fah­rene Mac-User auf eine große und hilfs­be­reite Mac-Comunity zurück­grei­fen, die im Inter­net bereit­wil­lig bei Pro­ble­men aus­hilft und Hilfs­da­ten­ban­ken erstellt hat wie z.B. Apfel­Wiki (http://www.apfelwiki.de). Es läßt sich damit fest­stel­len, daß der Ein­satz des Macs im Anwalts­be­ruf ent­ge­gen der Ein­gangs­ver­mu­tung nicht unmög­lich ist. Neben den her­kömm­li­chen Pro­gram­men wie Office gibt es auch spe­zi­el­l­ent­wi­ckelte Anwalts­soft­ware. Damit ist die Arbeit ein­fach, kom­pa­ti­bel, sicher und wird den spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen des Anwalts­be­rufs gerecht.

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