Barrierefreiheit

Zeit: Donnerstag,16. Sep­tem­ber 2004,15.00 Uhr
Ort: HS 105
Mod­er­a­tion: Frau Andrea Philipps
Ref­er­enten: Herr Hen­rik Eit­el
Doku­mente: Ankündi­gung — Pro­tokoll

Unter “Acces­si­bil­i­ty” ver­ste­ht man den bar­ri­ere­freien Zugang zu ein­er Sache. In der His­to­rie wurde der Begriff ursprünglich zum Beispiel im Zusam­men­hang mit der baulichen Beschaf­fen­heit von Gebäu­den ver­wen­det. Mit dem wach­senden Ein­fluß der Infor­ma­tion­stech­nolo­gie auf das soziale Leben wurde der Begriff zusät­zlich auf diesen neuen Bere­ich über­tra­gen. Seit 24.07.2002 existiert die erste deutsche Rechtsverord­nung, welche die bar­ri­ere­freie Gestal­tung von Bun­de­sange­boten vorschreibt. Es ist jedoch abse­hbar, dass entsprechende Reglun­gen für alle öffentlichen Infor­ma­tion­sange­bote verpflich­t­end wer­den.

Im inter­na­tionalen Kon­text am bedeut­sam­sten sind die Bestre­bung des stan­dard­geben­den Gremi­ums des Inter­net, des World Wide Web Con­sor­tium (W3C). Es hat mit der Web Acces­si­bil­i­ty Ini­tia­tive (WAI) einen Ableger gegrün­det, der eigens für die Entwick­lung soge­nan­nter Web Con­tent Acces­si­bil­i­ty Guide­lines (WCAG) zuständig ist und mit der Ver­sion 1.0 der WCAG einen ersten qua­si-Stan­dard für bar­ri­ere­freie Web Sites fest­gelegt hat. Da sich nicht nur die deutsche Rechtsverord­nung vom 24.07.2002, son­dern auch die entsprechen­den Leitlin­ien der Europäis­chen Union daran ori­en­tieren, ver­di­ent er geson­derte Beach­tung und Erläuterung. Gle­ich­es gilt für zahlre­iche Web-Ange­bote, mit denen die Ein­hal­tung des Stan­dards über­prüft wer­den kann.

Um ein tief­eres Ver­ständ­nis für die Anforderun­gen an bar­ri­ere­freies Web Design zu erhal­ten, bleibt die Beschäf­ti­gung mit den Hil­f­s­mit­teln der unter­schiedlich behin­derten Web Nutzer uner­lässlich. So erschließen sich zum Beispiel Sehbe­hin­derte die Inhalte des Inter­nets unter anderem indem alle textuellen Inhalte in eine hap­tisch erfahrbare Form umge­wan­delt (Braille-Aus­gabezeile) oder zeilenori­en­tiert vorge­le­sen wer­den (Screen Read­er). Auch auf­grund weit­er­er Beispiele kann somit aufgezeigt wer­den, warum und wie Text als Medi­um der Inhalts­darstel­lung in jed­er Acces­si­bil­i­ty-Strate­gie eine Schlüs­sel­rolle spielt.

Die Über­schnei­dung zwis­chen Usabil­i­ty Engi­neer­ing und Acces­si­bil­i­ty ist offenkundig: liegen die Inhalte in ein­er nicht erschließbaren Form vor, wird die Web Site gebrauch­sun­tauglich. Deshalb soll demon­stri­ert wer­den, wie es tech­nisch teil­weise ein­fach gelingt, eine Web Site nachträglich zumin­d­est rudi­men­tär bar­ri­ere­frei zu gestal­ten. Allerd­ings lassen sich struk­turbe­d­ingte “Design-Sün­den” nur schw­er beheben. An vorhan­de­nen tech­nol­o­gis­chen Möglichkeit­en, etwa Cas­cad­ing Style Sheets, lassen sich allerd­ings Wege aufzeigen, wie Web Sites real­isiert wer­den kön­nen, die sowohl für den kör­per­lich uneingeschränk­ten Nutzer, als auch für benachteiligte Benutzer­grup­pen gebrauch­stauglich und ansprechend sind.

Mit dem zunehmenden Engage­ment der öffentlichen und wirtschaftlichen Grup­pen in den Bere­ichen E‑Learning und E‑Government, sowie dem steigen­den Durch­schnittsalter der Bevölkerung, wird der Acces­si­bil­i­ty in Zukun­ft mit Sicher­heit eine große Bedeu­tung zukom­men.