Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht

Zeit: Frei­tag, 17. Sep­tem­ber 2004, 11.00 Uhr
Ort: HS 112
Mode­ra­tion: Herr Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Dr. Hel­mut Rüß­mann
Refe­ren­ten: Herr Dr. Gerd Theer­korn, wiss. Mit­ar­bei­ter
Frau Nina Cau­se­mann, Dipl.-Bibl.
Doku­mente: Ankün­di­gungPro­to­koll

Die Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin betreut das von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft geför­derte Son­der­sam­mel­ge­biet Recht. Auf­grund die­ses Sam­mel­schwer­punkts im Bereich des deut­schen und aus­län­di­schen Rechts ist die Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin die größte juris­ti­sche Fach­bi­blio­thek in Deutsch­land. Seit 1998 wer­den an den Biblio­the­ken, die sol­che Son­der­sam­mel­ge­biete pfle­gen, Vir­tu­elle Fach­bi­blio­the­ken auf­ge­baut, um in dem jewei­li­gen Fach­ge­biet durch neu­ar­tige Biblio­theks­dienst­leis­tun­gen die Bestände die­ser Samm­lun­gen bes­ser bekannt und grö­ße­ren Nut­zer­krei­sen zugäng­lich zu machen. Auch der Nach­weis von Online- Res­sour­cen soll dabei sys­te­ma­tisch aus­ge­baut wer­den. Die Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin ist daher mit dem Auf­bau einer Vir­tu­el­len Fach­bi­blio­thek Recht betraut wor­den. Über die Ergeb­nisse der ers­ten Pilot- und Pla­nungs­phase, die im Novem­ber 2003 begon­nen hat, soll auf dem 13. EDV-Gerichtstag berich­tet wer­den.

Die juris­ti­schen Bestände, die das Son­der­sam­mel­ge­biet erwirbt, wer­den nicht geson­dert kata­lo­gi­siert, son­dern im Gesamt­ka­ta­log der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin nach­ge­wie­sen. Eine Suche nach dem Stich­wort „Bürg­schaft“ fin­det daher auch immer Tref­fer zu Schil­ler und ande­rer nicht-juristischer Lite­ra­tur. Eine gefil­terte Suche aus­schließ­lich in den juris­ti­schen Bestän­den ist zwar mög­lich, erfor­dert aber ver­tiefte Kennt­nisse über ver­schie­dene Erschließungs- und Klas­si­fi­zie­rungs­werk­zeuge, die an der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin in den letz­ten Jahr­zehn­ten ver­wen­det wur­den. Die Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht wird daher fach­spe­zi­fi­sche Zugänge in den Online-Katalog anbie­ten. Der Nut­zer wird dabei die ihm bekann­ten übli­chen Such­fel­der vor­fin­den. Im Hin­ter­grund der Suche wer­den aller­dings Fil­ter ein­ge­setzt, die die Suche auf die juris­ti­schen Bestände beschrän­ken.
Dar­über hin­aus wird es einen systematisch-navigatorischen Zugang zu den juris­ti­schen Biblio­theks­be­stän­den geben, der es erlaubt, anhand einer juris­ti­schen Klas­si­fi­ka­tion durch eine Browsing-Struktur zu den gewünsch­ten Wer­ken zu gelan­gen. Auf diese Weise wird auch der an der Staats­bi­blio­thek zu Ber­lin vor­han­dene erheb­li­che Bestand an aus­län­di­scher juris­ti­scher Lite­ra­tur bes­ser auf­find­bar, da für die navi­ga­to­ri­sche Suche keine fremd­spra­chi­gen Such­be­griffe ein­ge­ge­ben wer­den müs­sen.
Außer­dem schließt sich die Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht ers­ten Ent­wick­lun­gen an, Kata­lo­gi­sate von juris­ti­schen Mono­gra­phien durch zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen wie Inhalts­ver­zeich­nisse, Klap­pen­texte und Rezen­sio­nen zu anzu­rei­chern.

Erschlie­ßen unselb­stän­di­ger Lite­ra­tur

In einem zwei­ten Schwer­punkt wird die Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht eine „Auf­satz­such­ma­schine Recht“ ent­wi­ckeln, in der Auf­sätze aus zahl­rei­chen deut­schen und aus­län­di­schen Fach­zeit­schrif­ten und Fest­schrif­ten­bei­träge erschlos­sen wer­den. Die übli­chen Biblio­theks­ka­ta­loge kön­nen diese Auf­gabe nicht erfül­len, da sie Zeit­schrif­ten und Fest­schrif­ten nur als sol­che und nicht mit ihren Inhal­ten auf­neh­men. Gleich­wohl gibt es schon Pro­jekte ver­schie­de­ner Biblio­theks­ver­bünde, die eine Inhalts­er­schlie­ßung von Zeit­schrif­ten und Sam­mel­bän­den vor­neh­men. Mit die­sen Pro­jek­ten wird die Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht koope­rie­ren, selbst wei­tere Zeit­schrif­ten ins­be­son­dere aus dem aus­län­di­schen Recht aus­wer­ten und diese Ange­bote dann über die Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht einem grö­ße­ren Nut­zer­kreis auf bequeme Weise zugäng­lich machen. Ziel ist es dabei ins­be­son­dere, die schon bis­lang ent­wi­ckel­ten Ange­bote zu inte­grie­ren und eine über­re­gio­nale, mög­lichst auch die Gren­zen bestehen­der Biblio­theks­ver­bünde über­schrei­tende Zusam­men­ar­beit zu errei­chen. Intel­li­gente Authen­ti­fi­zie­rungs­me­cha­nis­men sol­len es erlau­ben, den Nut­zer am Ende einer erfolg­rei­chen Recher­che unmit­tel­bar zum Voll­text des gefun­de­nen Auf­sat­zes wei­ter­zu­lei­ten, falls die­ser in elek­tro­ni­scher Form vor­liegt und die Insti­tu­tion, aus der her­aus die Suche durch­ge­führt wurde, eine ent­spre­chende Nut­zungs­li­zenz besitzt.

Erschlie­ßen von Inter­net­quel­len

Inter­net­quel­len wer­den ver­stärkt als Wis­sens­res­sour­cen ange­se­hen, die wie her­kömm­li­che Medien biblio­the­ka­risch erschlos­sen und zur dau­er­haf­ten Nut­zung durch Biblio­theks­nut­zer bereit­ge­stellt wer­den soll­ten. Der von der Vir­tu­el­len Fach­bi­blio­thek Recht auf­ge­baute „Fach­in­for­ma­ti­ons­füh­rer“ trägt die­ser Ent­wick­lung Rech­nung. In ihm wer­den wis­sen­schaft­lich rele­vante Inter­net­quel­len nach biblio­the­ka­ri­schen Maß­stä­ben erschlos­sen (Formal- und Sacher­schlie­ßung) und durch unter­schied­li­che Such­mög­lich­kei­ten den Nut­zern zur Ver­fü­gung gestellt. Der ent­schei­dende Unter­schied zu den bis­lang vor­herr­schen­den „Link­lis­ten“ besteht darin, dass bei einem Fach­in­for­ma­ti­ons­füh­rer die ver­zeich­ne­ten Quel­len inhalt­lich umfas­send erschlos­sen wer­den und daher inhalt­lich durch­sucht wer­den kön­nen (nach Autor, Jahr­gang, Schlag­wort etc.). Dar­über hin­aus liegt dem Fach­in­for­ma­ti­ons­füh­rer eine aus­führ­li­che und öffent­lich zugäng­li­che Beschrei­bung von Qua­li­täts­kri­te­rien und eines Sam­mel­pro­fils zugrunde. Diese stel­len sicher, dass der Nut­zer im Fach­in­for­ma­ti­ons­füh­rer der Vir­tu­el­len Fach­bi­blio­thek Recht aus­schließ­lich qua­li­täts­ge­prüfte Inhalte fin­det, die regel­mä­ßig auf Funk­ti­ons­weise und Inhalt über­prüft wer­den. Ein aus­ge­feil­tes Link-Check- und Wie­der­vor­la­ge­sys­tem wird dafür sor­gen, dass auch bei wach­sen­der Anzahl ver­zeich­ne­ter Links die Inhalte der Samm­lung immer mög­lichst aktu­ell sind. Die Suche wird über eine Stich­wort­su­che mög­lich sein, aber auch sys­te­ma­tisch in einer Browsing-Struktur, die sich an einer eigens für die Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht ent­wi­ckel­ten juris­ti­schen Fach­sys­te­ma­tik ori­en­tiert.

Per­so­na­li­sierte Infor­ma­ti­ons­dienste

Die Vir­tu­elle Fach­bi­blio­thek Recht wird sich moderne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel (Push-Dienste, RSS-Feeds) zunutze machen und sich dadurch zu einer dienst­leis­ten­den Biblio­thek ent­wi­ckeln, die nicht nur pas­siv Bestände zur Nut­zung bereit­hält, son­dern inter­es­sierte Nut­zer aktiv infor­miert. Dazu wer­den per­so­na­li­sierte Infor­ma­ti­ons­dienste ent­wi­ckelt, die es dem Nut­zer z.B. erlau­ben, sich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den per E-Mail die neu­es­ten Ein­tra­gun­gen in der Auf­satz­such­ma­schine oder in der Inter­net­quel­len­samm­lung zu sei­nem kon­kre­ten For­schungs­thema zusen­den zu las­sen.

Meta­su­che

Nach dem Auf­bau bzw. der Bereit­stel­lung der geschil­der­ten Daten­be­stände wird es eine wich­tige Auf­gabe der Vir­tu­el­len Fach­bi­blio­thek Recht sein, diese Bestände sinn­voll zur ein­heit­li­chen Benut­zung anzu­bie­ten. Dazu wird eine Soft­ware ein­ge­setzt wer­den, die eine Meta-Suche über unter­schied­li­che und hete­ro­gene Daten­be­stände ermög­licht. Die Metasuch-Maschine wird es erlau­ben, mit einer ein­zi­gen Suche ganz unter­schied­li­che Daten­be­stände zu durch­su­chen. Ziel der Ent­wick­lun­gen ist es, hier­bei auch die für die juris­ti­sche Infor­ma­ti­ons­ver­sor­gung wich­ti­gen kom­mer­zi­el­len Daten­bank­an­bie­ter zu inte­grie­ren, so dass Wis­sen­schaft­ler, deren Ein­rich­tun­gen z.B. einen juris- oder Beck-Online-Zugang lizen­ziert haben, mit der Meta­su­che auch die juris-Datenbanken und die Bestände des Beck-Verlages durch­su­chen kön­nen, ohne dass sie sich mit deren unter­schied­li­chen Such­for­mu­la­ren aus­ein­an­der­set­zen müs­sen.

Seite Drucken