Die EU-Dienstleistungsrichtlinie und ihre Aus­wir­kun­gen auf die Anwalt­schaft

Zeit: Frei­tag, 19.09.2008, 11:00 Uhr
Ort: Hör­saal 112
Mode­ra­tion: U. J. Scherf, Rechts­an­walt
Refe­ren­tin: Sabine M. Ecker, Rechts­an­wäl­tin
Doku­mente: Pro­to­koll

Die wirt­schaft­li­che Inte­gra­tion Euro­pas hat die EU zu einem der füh­ren­den Wirt­schafts­räume wer­den las­sen. Doch gerade das beacht­li­che Poten­zial des Dienst­leis­tungs­sek­tors für Wachs­tum und Beschäf­ti­gung konnte bis­lang nicht aus­ge­schöpft wer­den. Die EU-Dienstleistungsrichtlinie soll dies nun ändern“, so das Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft. Die Richt­li­nie soll büro­kra­ti­sche Hin­der­nisse abbauen, den grenz­über­schrei­ten­den Han­del mit Dienst­leis­tun­gen för­dern und damit zur Ver­wirk­li­chung des ein­heit­li­chen Bin­nen­mark­tes bei­tra­gen. Es galt bei den Ver­hand­lun­gen sicher­zu­stel­len, dass die Mit­glied­staa­ten im Rah­men der all­ge­mei­nen Grund­sätze des EG-Vertrags auch wei­ter­hin hohe Stan­dards für die Sicher­heit und Qua­li­tät von Dienst­leis­tun­gen durch­set­zen kön­nen.

Die Auf­nahme und die Aus­übung der Dienst­leis­tungs­tä­tig­keit soll in der Bean­tra­gung und im Ver­fah­ren ver­ein­facht wer­den. Es soll zudem ein Por­tal geschaf­fen wer­den, in dem Infor­ma­tio­nen für Dienst­leis­tungs­er­brin­ger und –emp­fän­ger ein­ge­stellt wer­den.

Bis zum 28.12.2009 soll die Richt­li­nie 2006/123/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rats vom 12.12.2006 über Dienst­leis­tun­gen im Bin­nen­markt, die so genannte Dienst­leis­tungs­richt­li­nie, umge­setzt wor­den sein. Das Ziel der Richt­li­nie ist ein­deu­tig: Sie soll den EG-Binnenmarkt für die grenz­über­schrei­tende Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen ver­bes­sern. Künf­tig sol­len Dienst­leis­ter die zur Auf­nahme einer Dienst­leis­tungs­tä­tig­keit erfor­der­li­chen Ver­fah­ren und For­ma­li­tä­ten sowie die Bean­tra­gung der für die Aus­übung ihrer Dienst­leis­tungs­tä­tig­keit erfor­der­li­chen Geneh­mi­gun­gen über eine aus ihrer Sicht ein­heit­li­che Stelle abwi­ckeln kön­nen, und zwar auch auf Wunsch des Dienst­leis­ters elek­tro­nisch. Es soll ein elek­tro­nisch erreich­ba­rer „Ein­heit­li­cher Ansprech­part­ner“ instal­liert wer­den.

Der „Ein­heit­li­che Ansprech­part­ner“ kommt aber in eine Ver­schwie­gen­heits­be­dräng­nis, wenn er – wie die Vor­stände der Rechts­an­walts­kam­mern, der Steu­er­be­ra­ter­kam­mern und der Wirt­schafts­prü­ferkam­mer – zur Ver­schwie­gen­heit ver­pflich­tet ist. Eine Wei­ter­gabe von gewon­ne­nen Infor­ma­tio­nen über Berufs­trä­ger an pri­vate Dritte, Kör­per­schaf­ten oder Behör­den kann eine Ver­let­zung der Ver­schwie­gen­heits­pflicht sein. Hier fehlt bei­spiels­weise eine gesetz­li­che Son­der­re­ge­lung.

Aber auch andere Punkte sind nicht sat­tel­fest und auf die Anwalt­schaft nicht zu über­tra­gen.

  

       Rechtsanwalt Uwe J. Scherf, Solingen 
       Rechtsanwältin Sabine M. Ecker, Nürnberg 
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