Bar­rie­re­frei­heit von IT-Anwendungen in der Jus­tiz

Zeit: Don­ners­tag – 16.09.2010 – 15.00 Uhr
Ort: Hör­saal 105
Mode­ra­tion: Rechts­an­walt und Media­tor Dr. Tho­mas Lapp
Refe­ren­ten: Uwe Boy­sen, Vor­sit­zen­der Rich­ter am LG Bre­men (DVBS e.V.);
Det­lef Girke, Pro­jekt: Bar­rie­re­frei Infor­mie­ren und Kom­mu­ni­zie­ren (bik@work)
Doku­mente: Prä­sen­ta­tionPro­to­koll

Blinde und Seh­be­hin­derte benut­zen am Com­pu­ter beson­dere Hilfs­mit­tel, die es ihnen ermög­li­chen, die auf dem Moni­tor dar­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen über eine Braille­zeile in Blin­den­schrift oder über eine Sprach­aus­gabe akus­tisch wie­der­zu­ge­ben (Screen­Re­a­der) oder stark ver­grö­ßert dar­zu­stel­len (Magni­fier). Vor­aus­set­zung hier­für ist aller­dings, dass die dabei ver­wen­de­ten gra­fi­schen Benut­zer­ober­flä­chen, Pro­gramme und Pro­gramm­in­halte bar­rie­re­frei gestal­tet sind. Obwohl die hier­für erfor­der­li­chen tech­ni­schen Stan­dards vor­han­den sind, wer­den sie viel­fach nicht oder nur unzu­rei­chend berück­sich­tigt. Der Grund hier­für liegt neben einer feh­len­den Sen­si­bi­li­sie­rung häu­fig darin, dass die ent­spre­chen­den Stan­dards nicht bekannt sind oder Ent­schei­der, Pro­gramm­ent­wick­ler und –desi­gner nicht wis­sen, auf was sie ach­ten sol­len.

Wäh­rend sich die EDV-Gerichtstage 2004 und 2005 mit der Bar­rie­re­frei­heit von Inter­net­an­ge­bo­ten befasst haben, steht dies­mal die „Bar­rie­re­frei­heit von IT-Anwendungen in der Jus­tiz“ im Mit­tel­punkt.

Die damit ange­spro­che­nen Fach­an­wen­dun­gen, die für die Bear­bei­tung der staats­an­walt­li­chen oder gericht­li­chen Ver­fah­ren erfor­der­lich sind, ent­wi­ckeln sich immer mehr hin zur elek­tro­ni­schen Akte und wer­den zudem für den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr vor­be­rei­tet. Betrof­fen davon sind nicht nur blinde und seh­be­hin­derte Rich­ter, Staats­an­wälte, Rechts­pfle­ger und Mit­ar­bei­ter in den Geschäfts­stel­len, son­dern auch blinde und seh­be­hin­derte Men­schen, die bei­spiels­weise als Klä­ger oder Beklag­ter oder als deren Pro­zess­be­voll­mäch­tigte (blinde Rechts­an­wälte) am gericht­li­chen Ver­fah­ren (Absen­den und Emp­fan­gen elek­tro­ni­scher Schrift­sätze, elek­tro­ni­sche Akten­ein­sicht, …) betei­ligt sind.

IT-Anwendungen, die blinde und seh­be­hin­derte Men­schen nicht aus­gren­zen, müs­sen daher bar­rie­re­frei gestal­tet sein.

Im Vor­der­grund sol­len daher ganz prak­ti­sche Fra­gen und deren Ver­an­schau­li­chung anhand kon­kre­ter Bei­spiele ste­hen:

  • - Wie arbei­ten blinde und seh­be­hin­derte Men­schen am PC?
  • - Wel­che Bar­rie­ren gibt es? Und warum gren­zen sie aus?
  • - Wie sieht bar­rie­re­freie Infor­ma­ti­ons­tech­nik aus?
  • - Wie lässt sich Bar­rie­re­frei­heit ver­wirk­li­chen?

Berück­sich­tigt man zudem, dass es zwi­schen den Stan­dards zur Bar­rie­re­frei­heit und den Anfor­de­run­gen an eine benut­zer­ge­rechte Software-Ergonomie einen wei­ten Über­schnei­dungs­be­reich gibt, dann kom­men bar­rie­re­freie Pro­gramme und bar­rie­re­frei gestal­tete Inhalte letzt­lich allen Nut­zern zugute.

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