Durchdringung einer elektronischen Akte

Zeit: Don­ner­stag — 16.09.2010 — 15.00 Uhr
Ort: Hör­saal 117
Mod­er­a­tion: Ober­staat­san­walt Dieter Kesper (Gen­er­al­staat­san­waltschaft Köln)
Ref­er­enten: Klaus Rack­witz, Senior Admin­is­tra­tive Man­ag­er, (Inter­na­tionaler Strafgericht­shof, Den Haag);
Ralph Heck­st­e­den (Europäis­che EDV-Akademie des Rechts);
Ste­fan Jamin (IBM/Cenit)
Doku­mente: Pro­tokoll

In kon­se­quenter Fort­führung des Work­shops „Die elek­tro­n­is­che Par­al­le­lak­te in Strafver­fahren“ vom EDV-Gericht­stag 2009 soll am Beispiel von umfan­gre­ichen Strafver­fahren der Frage nachge­gan­gen wer­den, ob und mit welchen tech­nis­chen Hil­f­s­mit­teln eine elek­tro­n­is­che (Par­al­lel-) Akte neb­st aller elek­tro­n­isch ver­füg­baren Beweis­mit­tel inhaltlich erschlossen (durch­drun­gen) wer­den kann.

Als Ergänzung zu den 2009 vorgestell­ten Möglichkeit­en des Adobe-Read­ers, der schon nen­nenswerte Vorteile gegenüber der „Dur­char­beitung“ mit Stift, Post-it und Notizzettel bietet, ver­fol­gen Indus­trie und Forschung ver­schiedene Wege ein­er elek­tro­n­is­chen Unter­stützung, die nach derzeit­iger Ein­schätzung auch in Ver­fahren ander­er Gericht­szweige einge­set­zt wer­den kön­nen.

Beispiel­haft soll eine Lösung der Fir­ma IBM vorgestellt wer­den, mit der der Inhalt elek­tro­n­is­ch­er Doku­mente vor Auf­nahme der Arbeit­en bere­its struk­turi­ert (vor­sortiert) wer­den kann, sowie ein „Case-Matrix“ genan­ntes, für den Inter­na­tionalen Strafgericht­shof in Den Haag entwick­elte „Werkzeug“ der EDV-Akademie des Rechts in Merzig, unter anderem ein Beweis­man­age­mentsys­tem, das eine Zuord­nung von Beweisen zu Tatbe­standsmerk­malen ermöglicht.

Im Einzel­nen bietet die auch an einem Fir­men­stand präsen­tierte Lösung von IBM eine Möglichkeit, Infor­ma­tio­nen zu struk­turi­eren, in Rela­tion zueinan­der zu set­zen, das Ergeb­nis der Analy­sen samt der dazu gehören­den Doku­mente zu extrahieren und so gegebe­nen­falls mit Auswer­tungsaufträ­gen an Ermit­tlung­steams, Unter­stützungs­grup­pen, Gutachter oder Kam­mer­mit­glieder weit­erzuleit­en.

Bei Case Matrix han­delt es sich um ein als Weban­wen­dung pro­gram­miertes Werkzeug zur Unter­stützung der juris­tis­chen Sub­sum­tion, mit dem Ziel, einzel­nen Tatbe­standsmerk­malen sowohl Beweis­mit­tel, Kom­men­tierun­gen als auch Recht­sprechung zuzuord­nen, um die Entschei­dungsträger bei der Bew­er­tung der Ver­dacht­slage zu unter­stützen und einen Ver­fahrens­ab­schluss vorzu­bere­it­en; eine Auf­gabe, die gle­icher­maßen auch bei nationalen Staat­san­waltschaften und Gericht­en anfällt.

Als Prak­tik­er wird ein Mitar­beit­er des Inter­na­tionalen Strafgericht­shofs in Den Haag über die elek­tro­n­is­che Unter­stützung in Großver­fahren dieses Gerichts referieren, die Notwendigkeit sowie die prak­tis­chen Anforderun­gen an eine infor­ma­tion­stech­nis­che Unter­stützung darstellen und deren Gren­zen aufzeigen.