E-Justice-Kompetenz in Aus­bil­dung und Beruf

Zeit: Frei­tag, 14.09.2012, 9.00 Uhr
Ort: HS 0.23
Mode­ra­tion: Pro­fes­sor Dr. Maxi­mi­lian HERBERGER, Vor­stands­vor­sit­zen­der des Deut­schen EDV-Gerichtstages, Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des
Refe­ren­ten: Staats­se­kre­tär Dr. Wil­fried BERNHARDT, Säch­si­sches Staats­mi­nis­te­rium der Jus­tiz und für Europa
Doku­mente: Prä­sen­ta­tionPro­to­koll

Dem Ein­satz von Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie kommt in der Jus­tiz eine immer grö­ßere Bedeu­tung zu. Ziel in Aus­bil­dung und Beruf muss es daher sein, Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie im Jus­tiz­all­tag so weit zu eta­blie­ren und aus­zu­bauen, dass die Jus­tiz nicht Gefahr läuft, hin­ter den gesell­schaft­li­chen und tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen zurück­zu­blei­ben. Viel­mehr muss sie die heu­ti­gen For­men und Instru­mente der Kom­mu­ni­ka­tion nicht nur ken­nen und nut­zen, son­dern diese auch mit gestal­ten.

Die hier­für not­wen­di­gen Grund­kennt­nisse und metho­di­schen Kom­pe­ten­zen müs­sen bereits in der Aus­bil­dung des juris­ti­schen Nach­wuch­ses ver­mit­telt wer­den, damit spä­ter im Beruf die Ent­wick­lun­gen in der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie nach­voll­zo­gen und effek­tiv genutzt wer­den kön­nen. Bis­her erfolgt wäh­rend des juris­ti­schen Stu­di­ums keine spe­zi­fi­sche IT-Ausbildung. Die Stu­den­ten bedie­nen sich aber bereits wäh­rend des Hoch­schul­stu­di­ums in viel­fäl­ti­ger Weise elek­tro­ni­scher Medien zur Bewäl­ti­gung der Stu­di­en­in­halte. Des­we­gen ist bei den Rechts­re­fe­ren­da­ren grund­sätz­lich eine hin­rei­chende IT-Grundkompetenz vor­han­den. Die För­de­rung der E-Justice-Kompetenzen im Refe­ren­da­riat hat daher ihren Schwer­punkt im fort­lau­fen­den Gebrauch elek­tro­ni­scher Medien, z. B. für Recher­che­ar­bei­ten, bei der Vor­be­rei­tung von Ent­schei­dun­gen und für die ent­spre­chende Kom­mu­ni­ka­tion mit Ausbildungs- und Arbeits­ge­mein­schafts­lei­tern. Im Unter­schied hierzu ent­hal­ten die Rah­menstoff­pläne einer Viel­zahl der Län­der für die Aus­bil­dung des mitt­le­ren und geho­be­nen Jus­tiz­diens­tes die Ver­mitt­lung von all­ge­mei­nen Grund­la­gen zu IT-Standardprogrammen wie Word, Excel und ein­schlä­gi­gen Jus­tiz­an­wen­dun­gen.

Opti­mie­rungs­mög­lich­kei­ten bestehen dage­gen ins­be­son­dere in der Fort­bil­dung. Die Ver­mitt­lung von E-Justice-Kompetenzen muss hier stär­ker ver­an­kert wer­den.

Obwohl von einer gewis­sen IT-Grundkompetenz bei allen Mit­ar­bei­tern in der Jus­tiz aus­ge­gan­gen wer­den kann, wird es sich bei der Fort­bil­dung im Bereich der E-Justice-Kompetenzen auf­grund ste­ti­ger tech­ni­scher Neu- und Wei­ter­ent­wick­lun­gen natur­ge­mäß um einen Dau­er­pro­zess han­deln. Für einen effek­ti­ven Ein­satz von IT ist es erfor­der­lich, dass diese von den Jus­tiz­be­diens­te­ten aller Lauf­bah­nen sicher beherrscht wird. Unter Berück­sich­ti­gung der tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen müs­sen die Bediens­te­ten vor­aus­schau­end, recht­zei­tig und umfas­send geschult wer­den. Zur E-Justice-Kompetenz gehört aber auch die Fähig­keit, Ver­fah­rens­ab­läufe in der Jus­tiz und ihr „IT-Potenzial“ zu erken­nen, Dia­log­fä­hig­keit mit der IT und die Fähig­keit, Ver­än­de­rungs­pro­zesse zu gestal­ten.

Sach­sen hat hierzu ein Kon­zept zur För­de­rung der E-Justice-Kompetenzen in der säch­si­schen Jus­tiz ent­wi­ckelt, wel­ches den Jus­tiz­staats­e­kre­tä­ren der ande­ren Bun­des­län­der auf einem spe­zi­ell die­sem Thema gewid­me­ten Tref­fen am 28. Februar 2012 in Mei­ßen vor­ge­stellt wurde. Daran schloss sich eine Län­der­um­frage zur Ermitt­lung des Poten­zi­als für län­der­über­grei­fende IT-Fortbildungen an. Auf ihrer Grund­lage wur­den Sach­sen, Bay­ern, Hes­sen, Nordrhein-Westfalen und Nie­der­sach­sen von der 83. Kon­fe­renz der Jus­tiz­mi­nis­te­rin­nen und Jus­tiz­mi­nis­ter am 13. und 14. Juni 2012 in Wies­ba­den beauf­tragt, ein Modell zur För­de­rung der E-Justice-Kompetenzen – basie­rend auf einem län­der­über­grei­fen­den Fort­bil­dungs­an­ge­bot – zu ent­wi­ckeln, wel­ches durch die Nut­zung von Syn­er­gie­ef­fek­ten res­sour­cen­scho­nend den bestehen­den IT-Fortbildungsbedarf der Jus­tiz abdeckt.

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