Digi­ta­les Urhe­ber­recht in Deutsch­land und Europa

– offe­ner Zugang zu Infor­ma­tio­nen vs. Urhe­ber­ver­gü­tung und Inves­ti­ti­ons­schutz –

Zeit: Frei­tag, 25.09.2015, 11.00 Uhr
Ort: Hör­saal 0.23
Mode­ra­tion: PROF. DR. STEPHAN ORY, Rechts­an­walt, Vor­sit­zen­der des Deut­schen EDV-Gerichtstages e. V.
Refe­ren­ten: DR. MATTHIAS SCHMID, Refe­rats­lei­ter, Bun­des­mi­nis­te­rium des Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz
DR. CHRISTIAN SPRANG, Jus­ti­tiar, Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels e.V.
ULRICH HERB, Refe­rent, Elek­tro­ni­sches Publi­zie­ren und Open Access an der Saar­län­di­schen Universitäts- und Lan­des­bi­blio­thek
DR. JOACHIM SCHÖPFEL, Dozent an der Charles-de-Gaulle Uni­ver­si­tät Lille 3, Direk­tor, des Ate­lier Natio­nal de Repro­duc­tion des Thè­ses (ARNT)
Doku­mente: Pro­to­koll (PDF)

Juris­ten schrei­ben Auf­sätze, Kom­men­tare und Urteil­s­an­mer­kun­gen, um in der öffent­li­chen Dis­kus­sion unter Kol­le­gen etwas zu bewe­gen. Juris­ten suchen zugleich Erläu­te­run­gen zu Rechts­fra­gen, die ihnen bei der Lösung eines kon­kre­ten Falls hel­fen. Dazwi­schen befin­den sich Ver­lage und Online-Portale, die Urheber- und Leis­tungs­schutz­rechte dazu ein­set­zen, um die publi­zie­ren­den Juris­ten und die an der Nut­zung der Publi­ka­tion inter­es­sier­ten Juris­ten zusam­men­brin­gen – gegen Ent­gelt.

Die Infor­ma­ti­ons­mitt­ler soll­ten aber nicht vor­schnell zum Sün­den­bock gemacht wer­den. Wer einen Auf­satz anbie­tet, ist stolz, wenn die ein-schlägige Fach­zeit­schrift unter ihrem bekann­ten Titel ihn annimmt. Der Ver­lag, der für sein gründ­li­ches Lek­to­rat bekannt ist, bringt dem Autor mehr Renom­mée und mehr Beach­tung bei sei­ner Ziel­gruppe. Die Publi­ka­tion auf der eige­nen Web­site dürfte allen­falls für den eine Option sein, der ohne­hin schon (nach genü­gend Ver­lags­pu­bli­ka­tio­nen) arri­viert ist. Aber auch der Nut­zer ver­langt Qua­li­tät beim Druck, bei der Brauch­bar­keit etwa von Stich­wort­ver­zeich­nis­sen bis hin zu Online-Angeboten mit Such­al­go­rith­men, die rasch das Gesuchte auf den Bild­schirm brin­gen. Es geht also um die alte Frage: Wer zahlt wie­viel, wer darf was behal­ten und was bekommt der Urhe­ber?

Vor die­sem Hin­ter­grund sorgt die Ent­schei­dung des BGH vom 16. Ap-ril 2015 (I ZR 69/11 – Elek­tro­ni­sche Lese­plätze II) für Auf­re­gung in der Bran­che. Es geht um elek­tro­ni­sche Lese­plätze in Biblio­the­ken, an denen elek­tro­ni­sche Bücher auch ohne Ein­wil­li­gung des Rechts­in­ha­bers zugäng­lich gemacht wer­den dür­fen. Das Recht des Ver­lags sei auch dann nicht ver­letzt, wenn der Nut­zer das Werk aus­dru­cken oder auf einem USB-Stick abspei­chern könne. Zugrunde liegt die Aus­le­gung euro­päi­schen Rechts, der BGH hatte die Sache dem EuGH vor­ge­legt und ist des­sen Judi­kat am Ende gefolgt. Die Ent­schei­dung fügt sich in eine ganze Reihe von Fest­stel­lun­gen des EuGH ein, die mit der deut­schen Auf­fas­sung von wich­ti­gen Eck­punk­ten des Urhe­ber­rechts nicht immer ganz im Ein­klang ste­hen, um es vor­sich­tig zu for­mu­lie­ren.

Die (auch) für die juris­ti­sche Arbeit wesent­li­che Frage ist Teil einer dyna­mi­schen Ent­wick­lung, die unter den Stich­wor­ten der Digi­ta­li­sie­rung und der euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben dis­ku­tiert wer­den. Dazu wird der Lei­ter des Urhe­ber­rechts­re­fe­rats im Bun­des­mi­nis­te­rium der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz, Mat­thias Schmid, einen Über­blick geben. Die Dis­kus­sion wird bestrit­ten vom Jus­ti­tiar des Bör­sen­ver­eins, Dr. Chris­tian Sprang und Ulrich Herb, Refe­rent für elek­tro­ni­sches Publi­zie­ren und Open Access der Saar­län­di­schen Universitäts- und Landes-bibliothek. Dr. Joa­chim Schöp­fel wird die grenz­über­schrei­ten­den Aspekte in die Debatte ein­füh­ren. Er ist ist Dozent der Infor­ma­ti­ons­wis­sen­schaf­ten an der Charles-de-Gaulle-Universität Lille 3 und Direk­tor des dort ange­sie­del­ten Ate­lier Natio­nal de Repro­duc­tion des Thè­ses (ANRT).

Seite Drucken